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Hände mit offenem, leeren Portemonnaie

„Wir müssen Studierenden eine dauerhafte Lösung zur Finanzierung des Studiums bieten“

Insbesondere die Corona-Pandemie sorgt bei vielen Studierenden für Verdienstausfall und Ebbe im Geldbeutel.

19.11.2020

von Viktoria Eckert

Im Interview mit Jana Judisch, Pressesprecherin des studierendenWERKs BERLIN, sprechen wir über Finanzhilfen für Studis.

Frau Judisch, welche Rückmeldungen haben Sie von Studierenden zur finanziellen Lage in Zeiten von Corona?

Wir nehmen durchaus wahr, dass es deutlich schwerer geworden ist, einen studentischen Nebenjob zu finden. Die Veranstaltungs- und Gastronomiebranche, die ja sonst die größten Arbeitgeberinnen für studentische Aushilfskräfte sind, befinden sich in einer schweren Krise und sind mindestens im November lahmgelegt.

Bis Ende September gab es ja noch die sogenannte Überbrückungshilfe, warum wird diese Unterstützung nicht weiterhin gewährt?

Das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) hat am 30.10.2020 angekündigt, die Überbrückungshilfen für den Monat November, wenn der „Lockdown light“ in Kraft tritt, erneut aufzulegen. Wann das erfolgt, ist noch nicht kommuniziert worden (Stand 19.11.2020, Anm. der Redaktion)

Was wir stattdessen bereits sagen können: Die finanzielle Situation von Studierenden ist häufig schwierig, auch ohne Pandemie. Wir müssen – auch nach Corona – Studierenden konstante Lösungen zur Finanzierung des Studiums bieten. Hier kommt neben dem BAföG auch der KfW-Bildungskredit in Frage, für den das studierendenWERK BERLIN Vertriebspartner ist.

Eine finanzielle Hilfe für Studierende bestand im vergangenen Semester zudem in Form eines Technikfonds, besteht die Möglichkeit der Antragstellung auch im Wintersemester?

Das Land Berlin hat bereits im Juni 2020 eine Auffüllung dieses Fonds in Aussicht gestellt. Angekündigt war zudem, dass dieser Fonds auch für Lehrbeauftragte geöffnet wird.

Wir warten derzeit zum einen darauf, dass dies vom Abgeordnetenhaus Berlin offiziell beschlossen wird. Zum anderen muss auf administrativer Ebene die Frage geklärt werden, inwieweit dieser Fonds zeitgleich mit den Überbrückungshilfen geöffnet werden kann.

In den Richtlinien steht eigentlich, dass dieses Programm eingestellt wird, wenn es entsprechende Bundesprogramme gibt. Inwieweit die Überbrückungshilfen des Bundes als ein solches „entsprechendes“ Bundesprogramm gelten, muss schlicht geklärt werden. Auch hat eine Zuwendung aus den Überbrückungshilfen des Bundes bislang Parallelanträge bei anderen Fonds ausdrücklich ausgeschlossen. Hier werden wichtige Weichen also noch zu stellen sein, damit die bestehenden Instrumente den Studierenden in Gänze zugute kommen.

Haben Sie Informationen darüber, wie die oben genannten Maßnahmen bisher von den Studierenden angenommen wurden?

17.300 Anträge für die Überbrückungshilfen haben uns erreicht. Bewilligungen im Wert von rund 4,1 Mio Euro wurden ausgesprochen. Beim Technikfonds gab es über 2.700 Anträge, Bewilligungen gab es im Wert von rund 340.000 Euro.

Auch der Notfonds, den wir im Frühjahr pandemiebedingt aufgemacht haben, hat Zuschüsse im Wert von 427.000 Euro ausgezahlt, der aus Spenden finanzierte SoliFUnds für Studierende der FU noch einmal weitere 90.000 Euro. Hier sind sogar noch Reste drin, Studierende der FU können sich bewerben unter www.stw.berlin/solifunds.

Auf welche Art und Weise wird in Not geratenen Studierenden weiterhin geholfen, abgesehen von den bereits erwähnten Hilfen?

Das Land hat in Aussicht gestellt, unseren Fonds für den „Zuschuss zum Studienstart und Studienabschluss“ signifikant aufzufüllen. Dieser Fonds ist keine eigentliche Pandemiehilfe – er existiert ja bereits seit Jahren und richtet sich generell an benachteiligte Studierende. Ein entsprechendes Online-Tool erarbeiten wir gerade unter Hochdruck.

Auch hier warten wir noch auf die offizielle Bewilligung dieser Mittel durch das Abgeordnetenhaus. Und auch hier sehen die Richtlinien eigentlich vor, dass der Fonds hinter eventuell laufenden parallelen Bundesprogrammen zurückgestellt wird. Auch hier wird zu klären sein, ob die Überbrückungshilfen als ein solches paralleles Programm gelten. Entschieden wird das allerdings nicht im studierendenWERK BERLIN.

Sie sehen: Wir stehen also in den Startlöchern. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit allen Akteuren und vor allem bald gute Lösungen im Sinne der Studierenden herstellen können – die warten ja sehr dringend drauf.

Existieren Ihrer Meinung nach Bereiche, auf denen es noch dringenden Nachbesserungsbedarf gibt, um den Studierenden in Zeiten der Pandemie finanziellen Druck von den Schultern zu nehmen und Existenzängste zu lindern?

Das ist für uns keine Pandemiefrage: Das BAföG und insbesondere die Antragstellung muss einfacher werden. Das fordern nicht nur wir in Berlin, sondern alle Studierendenwerke in ganz Deutschland – und zwar schon seit Jahren.

An welche Stellen können sich Studierende konkret wenden, wenn sie sich in den nächsten Wochen und Monaten in finanzieller Schieflage befinden?

Nicht nur in den kommenden Wochen, sondern stets können sich Studierende an unsere Sozialberatung wenden, die telefonisch und per Mail zum Thema Studienfinanzierung berät. Auch sind bei unserem Kooperationspartner www.stellenwerk-berlin.de viele offene Studi-Stellen gelistet, die außerhalb von Event- und Gastronomiebranche tolle Möglichkeiten bieten, Geld zu verdienen.

 

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