Foto: FELIX NOAK
Ein Student spricht mit einer Psychotherapeutin.

„Live-Beratung ist und bleibt unser Herzstück“

Im Gespräch erläutert Irina Theisen, wie die Mitarbeiter*innen der Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratung des studierendenWERKs BERLIN mit der Krise umgegangen sind.

16.09.2020

von Viktoria Eckert

Frau Theisen, wie funktioniert die Beratungsstelle in der Krise?

Während des Lockdowns bzw. Slowdowns haben wir eine telefonische Sprechstunde eingerichtet. Schon bald wurden aber wieder regulär Termine vergeben, für Erstgespräche wie schon laufende Beratungen, allerdings weiterhin alle telefonisch. Im Moment befinden wir uns in einer Phase, in der wir zunehmend auch wieder Klient*innen live in der Beratungsstelle empfangen, unter Einhaltung der Hygieneregeln. Es läuft aber immer noch viel telefonisch, zum einen aus Gründen des Infektionsschutzes, aber auch, weil sich manche Studierende derzeit nicht in Berlin aufhalten.

Inwieweit sind Gruppenangebote in Zeiten von Corona realisierbar, besonders unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln?

Zu Beginn der Krise mussten wir unser umfangreiches Gruppenangebot vorerst auf Eis legen. Jetzt finden in sehr eingeschränktem Umfang wieder Live-Gruppen statt. Aufgrund der Größe unserer Gruppenräume ist das Angebot aber sehr eingeschränkt, d. h. es können nur sehr wenige und kleine Gruppen stattfinden. Wir arbeiten aber daran, perspektivisch videogestützte Angebote machen zu können. Das ist eine technische wie datenschutzrechtliche Herausforderung bei unseren sensiblen Inhalten, aber ich bin da sehr zuversichtlich.

Gibt es coronabedingte Neuerungen (z. B. Arbeitsprozesse, Angebote) bei der PBS, die auch nach der Pandemie beibehalten werden sollen?

Die Live-Beratung ist und bleibt unser Herzstück und ich freue mich jetzt schon auf die Zeit, in der das wieder selbstverständlich möglich ist. Virtuelle Beratung (telefonisch und videogestützt) hat aber auch viele Vorteile, die wir gerne auch nach der Pandemie nutzen möchten. So wäre es auch möglich, jemanden noch zu beraten, wenn er/sie vorübergehend nicht in Berlin ist, z. B. aufgrund eines Auslandsaufenthaltes oder der Pflege eines Familienangehörigen. Sicher wird es auch wichtig sein, die Krise selbst in den Blick zu nehmen. Das wollen wir z. B. auf unserem Fachtag im April 2021 tun und in einem videogestützten Gruppenangebot für Klient*innen („Neustart nach Corona“) sowie auf der geplanten Veranstaltung „Dark Night – die Gala der Novemberdepression, Corona Special“, die hoffentlich stattfinden kann.

Wie sieht Ihr aktueller Arbeitsalltag aus? Welche Art psychischer Belastungen und Ängste prägen seit Corona Ihre Beratungstätigkeit?

Das ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Studierenden nimmt Corona gar keinen so großen Raum ein in der Beratung. Bei anderen ist es sehr präsent, weil z. B. ein Nebenjob weggebrochen ist und Existenzängste entstehen, das virtuelle Studieren und stundenlange Sitzen vor dem Laptop belastend ist, Konflikte eskalieren, zum Beispiel mit der Herkunftsfamilie, zu der viele vorübergehend gezogen sind. Auch Einsamkeit spielt eine Rolle. Es wird auch als belastend empfunden, nicht wirklich planen zu können. Viele haben sich auch auf etwas gefreut, was nun nicht stattfinden kann, z. B. eine Zeit im Ausland. Manche haben große Angst, sich anzustecken oder fürchten, Freund*innen oder Familienangehörigen könnte etwas passieren, andere schätzen ihr Risiko eher gering ein, aber leiden unter den pandemiebedingten Einschränkungen.

„In einer Krise steckt auch immer eine Chance.“ – Was halten Sie persönlich von derartigen Glaubenssätzen?

Wenn man mitten in einer Krise steckt, hört man solche Sätze ja nicht gerne, aber ich finde, dass da auf jeden Fall etwas dran ist. Es ist bemerkenswert, wie sich die Psycholog*innen der Beratungsstelle in so kurzer Zeit auf die völlig neue Beratungssituation eingelassen haben. Vor der Krise konnten wir uns virtuelle Beratung kaum vorstellen. Dann musste es plötzlich gehen. Und es zeigt sich, dass sie gut funktionieren kann und als sehr hilfreich empfunden wird.

Haben Sie Tipps, was man auf individueller Ebene für die eigene psychische Gesundheit tun kann – zu Beginn der dunklen Jahreshälfte und erst recht in diesen außergewöhnlichen Zeiten?

Heiße Tipps habe ich da auch nicht. Mir helfen: Lange Spaziergänge in der Natur, Freund*innen treffen und Zeit zum Reflektieren mit dem Fokus aufs Positive („Was läuft trotz allem gerade ganz gut?“).

Verraten Sie mir zum Schluss, auf welchem Weg man aktuell am besten mit Ihnen und Ihren Kolleg*innen in Kontakt treten kann: per Mail, Anruf oder im Rahmen vereinbarter Sprechzeiten vor Ort?

Wir arbeiten – wie auch vor der Krise – ausschließlich nach Terminvereinbarung. Einen ersten Termin kann man telefonisch oder per Email über unsere Sekretariate machen. Folgetermine können direkt mit dem*der Berater*in vereinbart werden.

 

 

Foto: FELIX NOAK

#Ankommen in Berlin  #Good to Know – Tipps für den Studi-Alltag  #Hintergründe