Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Drei Studierende mit Masken

„2G oder 3G?“ – Das ist hier die Frage

Im Laufe der vergangenen Wochen wurden auf Bundes- und Länderebene diverse Regelungen zum Schutz gegen das Coronavirus erlassen – im Mittelpunkt der Diskussionen: 2G oder 3G.

05.10.2021

von Viktoria Eckert

Geimpft, genesen, getestet. In den letzten Monaten handelte es sich hierbei gewissermaßen um drei Zauberworte, welche uns ein nahezu normales Leben während der Pandemie ermöglichten: Ein Abend im Restaurant, gemeinsamer Kinobesuch mit Freund*innen – all dies konnte wieder in vollen Zügen genossen werden. In Zukunft wird es wohl vielerorts so sein, dass ein tagesaktueller Test nicht mehr ausreicht und bisher ungeimpfte Menschen ein stückweit vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind.

Um ehrlich zu sein, hadere ich bis zum jetzigen mit dieser Vorgehensweise der Politik. Ich selbst bin geimpft und begrüße einerseits, das geimpfte bzw. genesene Personen zunehmend mehr Freiheiten zurückerhalten. Die Aussicht auf Erleichterungen durch Immunisierung war mit Sicherheit für nicht wenige Menschen ein Anreiz, sich für eine Impfung zu entscheiden. Diese Personengruppe jetzt von drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus im Herbst und Winter weitestgehend zu befreien, ist also nur logisch.

Bisherige Impfskeptiker – schließlich gibt es auch Menschen, welche sich aus medizinischen Gründen tatsächlich nicht impfen lassen können – mittels 2G letztlich noch von einer Impfung zu überzeugen, halte ich in den meisten Fällen für unwahrscheinlich. Was mir mit Blick auf die Etablierung von 2G mehr zu denken gibt, ist die sich dadurch zuspitzende soziale und gesellschaftliche Isolation von Menschen in Armut bzw. prekären Lebensverhältnissen. Betroffene haben oftmals weitaus größere Probleme, sich aufgrund ihrer individuellen Situation regelmäßig testen oder gar impfen zu lassen.

Die Umsetzung einer 2G-Regel dürfte zudem vielerorts eine große Herausforderung darstellen: Insbesondere kleine Sportvereine sind auf die Unterstützung ihrer Mitglieder angewiesen, in personeller und finanzieller Hinsicht. Falls sie bei steigenden Infektionszahlen zukünftig Ungeimpften den Zugang zum Verein verwehren müssten, könnten eventuell ganze Trainingseinheiten oder Freizeitangebote über Wochen nicht stattfinden – mit dünner Personaldecke schwer zu kompensieren.

Zurück zur Eingangsfrage: 2G oder 3G? Ich persönlich fände es wahrscheinlich besser, weiterhin auf 3G zu setzen und in regelmäßigen Abständen kostenfreie Testungen zu ermöglichen – ein „Aussperren“ von Ungeimpften verhärtet die Fronten innerhalb der Gesellschaft nur noch mehr und erweckt irgendwie den Eindruck einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Aber gut, ich muss ja hier zum Glück nicht derart schwierige Entscheidungen treffen oder gar verantworten. Lasst uns bitte alle möglichst gut durch die anstehende kalte Jahreszeit kommen, abgesehen von 2G oder 3G kommt es dabei wieder auf das Einhalten von Abständen und das Tragen einer medizinischen Maske an. Und darin sollten wir nun nach eineinhalb Jahren Pandemie doch alle schon Expert*innen sein.

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