Foto: Bundesregierung / Guido Bergmann
Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender

Über Einsamkeit und Zuversicht

Studierende im Gespräch mit dem Bundespräsidenten

02.02.2021

von Mandy Krause

Am 26. Januar gingen Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender via Livestream ins Gespräch mit Berliner Studierenden. Die Rede war von einer aktuell außergewöhnlich belastenden Zeit an der Uni. Mein Eindruck: eine ernste Auseinandersetzung ohne echten Fokus auf den Ernst der Lage.

Schon im Dezember wollte sich Bundespräsident Steinmeier mit fünf Studierenden zu ihrer Situation während der Pandemie austauschen. Was damals noch mit Optimismus als Veranstaltung in Präsenz geplant war, wurde kurzerhand abgesagt.  Am vergangenen Dienstag kam es dann doch zu einer Begegnung im Livestream. Außerdem zu Gast war Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, dem Dachverband aller Studierenden- und Studentenwerke in Deutschland.  

Zuerst interessierte sich das Bundespräsidentenpaar für den Istzustand der Teilnehmer*innen. Eingeschränkte Uni-Öffnungszeiten, beschränkter Zutritt, geschlossene Bibliotheken, Mensen und Hörsäle lassen von einem regulären Studium kaum etwas übrig und führen vielerorts zu Einsamkeit – auch bei jungen Menschen. Doch die unüblichen Studienbedingungen sind seit Pandemiebeginn bekannt.

Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender im digitalen Gespräch mit Studierenden
Foto: Bundesregierung / Guido Bergmann

Wirklich spannend wurde es beim Thema Finanzierung. Ole Meißner (Veranstaltungstechnik, Beuth Hochschule) erzählte, wie sein Nebenjob für mehrere Monate pausierte. Für BAföG sei er in dieser Zeit nicht förderfähig gewesen, finanzielle Unterstützung von zu Hause gebe es nicht. Willi Stieger, der Interdisziplinäre Russlandstudien in Potsdam studiert, spricht von einer mit Bangen erwarteten Last-Minute-Zusage des BAföG-Amts für die Finanzierung seines Auslandsvorhabens. Auch wenn die Bundesregierung auf die Anpassung der Förderhöchstdauer beim BAföG reagiert habe, seien wir jetzt mit einem bundesweiten Flickenteppich konfrontiert, so Meyer auf der Heyde. Denn die Entscheidung über Anpassung der Förderhöchstdauer trifft jedes Land selbst. Willi Stieger wünscht sich zudem die Anrechnung von ehrenamtlichem Engagement auf die Förderhöchstdauer.

Ebenso ins Visier genommen wurde die Überbrückungshilfe, die Studierenden bei einer pandemiebedingten Notlage finanzielle Hilfe gewährleisten soll. Das Problem hierbei ist, dass die Notlage durch die Pandemie verursacht worden sein muss. Studierende, die vorher schon unter instabilen Studien- und Finanzierungsbedingungen lebten, fallen bei der Überbrückungshilfe schlicht raus. Meyer auf der Heyde sprach von einer bitteren Erkenntnis, denn viele Studierende seien schon vor der Pandemie in einer prekären Lage gewesen, das BMBF habe jedoch Wert daraufgelegt, den Bezug zur Pandemie herzustellen.

Mit Ängsten zu studieren sei nicht schön, so Jacqueline Niemietz (Bildungswissenschaften, Freie Universität Berlin). Sorgen um die Finanzierung des Lebensunterhalts hätten enorm negativen Einfluss auf die Studienleistung. Vor allem Studierende aus nichtakademischen Haushalten, deren Weg an die Uni nicht selbstverständlich sei, hätten in der aktuellen Zeit besonders zu kämpfen.

Isabella Monti, DAAD-Studentin aus Brasilien, sei dankbar, dass sie einen Job als studentische Hilfskraft am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität habe. Viele ihrer Landsleute mussten aufgrund ausbleibender Einnahmen zurückkehren. „Für diejenigen ist es besonders hart, da sie aufgrund der Zeitverschiebung nachts aufstehen müssen, um an den Sitzungen der Uni in Deutschland teilnehmen zu können“, so die junge Studentin. Dennoch leide sie an der Entfernung zu ihrer Familie und der anhaltenden Ungewissheit, wann man sich wiedersehen würde.

Ob die Studierenden sich zur verlorenen Generation zählen würden, fragte Steinmeier am Ende. Einige der Teilnehmer*innen berichten von möglichen Wettbewerbsnachteilen durch geplatzte Auslandssemester und -praktika. Insgesamt aber schauen alle mit Zuversicht in ihre Zukunft, wünschen sich von Arbeitgeber*innen jedoch die notwendige Nachsicht. Für Studierende der ersten Generation mit prekären Familienverhältnissen könne jedoch durchaus von einer verlorenen Zeit die Rede sein, da für sie das Nachholen von Erfahrung finanziell häufig nicht möglich sei, betonte Jacqueline Niemietz. Deshalb appellierte sie am Ende nochmal ausdrücklich an die Anpassung des BAföGs und der Überbrückungshilfe, damit viele Studierende in Not aufgefangen werden könnten.

Weniger zur Sprache gebracht wurden die Situation von Studienanfänger*innen und die Schicksale derer, die ihr Studium aufgrund finanzieller Einbußen nicht mehr fortsetzen konnten. Deshalb bleibt die wohl allerwichtigste Frage am Ende die nach dem Zweck. Was wird sich nach dem Gespräch wirklich ändern?

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