Pressemitteilung

Aktuelle Mitteilungen des studierendenWERKs BERLIN

Position des studierendenWERKs BERLIN zu den Forderungen der Initiative #nichtnuronline

Die COVID-19-bedingte Pandemie bestimmt nun seit über einem Jahr unser Handeln – für die Berliner Studierenden und das studierendenWERK BERLIN bedeutet das das dritte Onlinesemester in Folge. Dass die damit verbundenen finanziellen und psychosozialen Auswirkungen auf die Studierenden in den letzten Monaten stark zugenommen haben, ist für uns als der mit der sozialen Daseinsvorsorge beauftragten Organisation sehr deutlich geworden.

Im Rahmen unserer organisatorischen, personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten leisten die vielen Mitarbeiter*innen des studierendenWERKs nun im zweiten Jahr ihren Beitrag zur Bewältigung der pandemiebedingten Krisensituation, in der sich viele Studierende immer noch befinden.

Unter erschwerten Bedingungen halten wir die Leistungen der Daseinsvorsorge aufrecht und bearbeiten BAföG-Anträge, betreuen Ein- und Auszüge in unseren Wohnheimen, leisten Kinder(not)betreuung, beraten zu sozialen und psychologischen Fragestellungen, organisieren ein Online-Kulturprogramm und kümmern uns um die Umsetzung der Corona-Hilfen von Bund und Land.

Dass diese weiterhin auf hohem Niveau nachgefragt werden zeigt die oftmals nach wie vor prekäre Einkommenssituation unserer Zielgruppe. Wir begrüßen es daher sehr, dass das Land Berlin (mehr als andere Bundesländer) die Studierenden mit finanziellen Hilfen unterstützt und auch den besonderen akademischen Rahmenbedingungen Beachtung schenkt, indem z. B. die Regelstudienzeit verlängert und die Regelungen für Prüfungen, Hausarbeiten etc. angepasst worden sind.

Doch die Pandemiesituation hat nicht nur Konsequenzen bzgl. der Job- und Finanzsituation von Studierenden in Berlin. Die immens gestiegene Nachfrage nach unserer psychologischen Beratung zeigt, dass auch die mentale Belastung mittlerweile ein besorgniserregendes Niveau erreicht hat.

Den Ruf der Initiative #nichtnuronline haben wir unter diesen Bedingungen aufmerksam verfolgt und wir können den Wunsch der Studierenden nach der Entwicklung einer Öffnungsperspektive nachvollziehen.

Für die Entwicklung einer solchen Perspektive ist es auch aus unserer Sicht höchste Zeit. Wir müssen uns – unter Beteiligung der Studierenden – fragen, welchen zusätzlichen Beitrag wir noch leisten können, um aus der Lähmung des ewigen Campus-Lockdowns zu kommen.

Denn die Folgen des gefühlt nie enden wollenden Lockdowns und der damit verbundenen Verlagerung auf Online-Lehre werden nach und nach sichtbar und sie werden uns auch lange nach dem Jahr 2021 noch beschäftigen.

Studieren besteht nicht nur aus dem Anhäufen von (Online-)Wissen. Es geht in dieser Phase um das Schließen von Freundschaften, das Knüpfen von Kontakten außerhalb der bekannten Erfahrungswelt, um den Aufbau von Netzwerken und den Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen oder ethnischen Hintergründen. Das alles gehört neben der Lehre zum Studium. Das alles ist bisher aber zu wenig im Fokus.

Studieren in diesem ganzheitlichen Sinn ist systemrelevant und muss so schnell es geht wieder möglich werden. Die Gesellschaft braucht junge Köpfe, deren Persönlichkeit auch in sozialer, emotionaler und (inter-)kultureller Dimension reifen konnte. Gerade für die komplexen Herausforderungen der Zukunft brauchen wir eine junge Generation, die nicht allein von Verstand geleitet wird, sondern auch von Intuition und Herz – das schafft aus unserer Sicht ein lebendiger Hochschulcampus.

Das studierendenWERK BERLIN erarbeitet unter dem Aspekt der Systemrelevanz derzeit Pläne für den verantwortungsvollen Wiederanlauf. Verantwortungsvoll heißt dabei für uns, dass selbstverständlich die aktuelle Pandemielage berücksichtigt werden muss und eine Öffnungsperspektive immer nachhaltig und langfristig gestaltet sein sollte. Allerdings wollen wir uns dabei nicht allein auf die Beobachtung von Inzidenzen beschränken, sondern einen aktiven Beitrag leisten – auch im Hinblick auf die Beteiligung an Test- und Impfstrategien, z. B. für die meist internationalen Studierenden in den Wohnheimen des studierendenWERKs. Nur so kann eine Öffnungsperspektive für alle zeitnah geschaffen werden.

Das hoffentlich letzte Online-Semester müssen wir als Akteure der Berliner Hochschullandschaft deshalb jetzt nutzen, um gemeinsam über die Frage nachzudenken, wie der Hochschulbetrieb und der Campusalltag nach der Pandemie aussehen sollen. Wir im studierendenWERK sind überzeugt, dass das (akademische) Leben nach der Pandemie ein anderes sein wird als vor der Pandemie. Eine Rückkehr zum alten Hochschulbetrieb wird es wohl nicht geben. Aber welche der Veränderungen, die wir in den vergangenen drei Semestern beobachtet haben, werden dauerhaft im neuen Alltag verankert bleiben? Was bedeutet das für die Studierenden und welche Unterstützung werden sie dafür von uns brauchen?

Die Beantwortung dieser Fragen kann nur unter Beteiligung der Studierenden erfolgreich gelingen. Wir dürfen uns dabei nicht darauf beschränken, den Forderungen der jungen Generation Gehör zu schenken, wir müssen ihnen auch mehr Gestaltungsraum bieten. Denn wer weiß besser, was Studierende heute und zukünftig brauchen, als die Studierenden selbst?

Wir laden deshalb Studierende, Hochschulen und die Politik ein, gemeinsam mit uns diese Fragen zu diskutieren und durch gemeinsames und solidarisches Handeln die Öffnung des Hochschulbetriebs zu beschleunigen.

 

Pressekontakt

Kontakt:
Jana Judisch
Pressesprecherin studierendenWERK BERLIN
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