30.12.2021

Steuererklärung: Tipps für Studierende

Hier erfährst du, was du als Studentin oder Student für die Steuererklärung in Deutschland wissen musst. Los geht's!

von Evdokia Prassa

Ist dir der Umgang mit der deutschen Bürokratie unheimlich? Wenn Sie diesen Artikel lesen, stehen die Chancen gut, dass du ein ausländischer Student in Berlin bist, der bereits seinen ersten Kulturschock mit der Bürokratie erlebt hat, die mit dem Umzug nach Deutschland für sein Studium verbunden ist. Jetzt ist die Zeit der Steuererklärungen, und ich bin hier, um  zu helfen, die Bestie des deutschen Papierkrams zu besiegen: das Steuerformular!

Ich habe an dem Workshop "Grundwissen zur Steuererklärung" teilgenommen, der vom studierendenWERK BERLIN am 4. April 2019 organisiert und durchgeführt wurde. Daniela Wiesner, Steuerberaterin und geladene Referentin der Veranstaltung, versorgte ihre Zuhörer mit hilfreichen und praktischen Tipps, die speziell auf den Studentenstatus als Steuerzahler zugeschnitten waren.

Hier meine wichtigsten Erkenntnisse aus dem Workshop in Kürze:

#Nr. 1: Es lohnt sich wirklich, als Student eine Steuererklärung abzugeben.

Für Studenten, die tatsächlich Steuern gezahlt haben (und sei es auch nur ein kleiner Betrag), ist es empfehlenswert, eine Steuererklärung abzugeben. Bitte beachten Sie: Aus Gründen der Transparenz wird von Freiberuflern erwartet, dass sie ihre Steuern unabhängig von der Höhe ihres Einkommens einreichen.

#Nr. 2: Du hast noch viel Zeit!

Wenn du dazu neigst, Unterlagen in letzter Minute einzureichen und dann zwischen Selbstmitleid und Selbstverachtung schwanken (so wie ich), habe ich gute Nachrichten! Das Finanzamt hat die offizielle Frist für die Steuererklärung bis zum 31. Juli des Folgejahrs verlängert. Außerdem können Studierende ihre Steuererklärung bis zu 7 Jahre rückwirkend abgeben.

#Nr. 3: Das sind die Grundlagen der Steuererklärung 2018, die du beachten solltest:

Der "Grundfreibetrag" liegt bei 9.000 Euro. Wer im Jahr 2018 weniger als diesen Betrag verdient hat, ist von der Steuerpflicht befreit, kann aber, wie oben erläutert, trotzdem von der Abgabe einer Steuererklärung profitieren. In der Regel müssen drei Formulare zusammen mit Ihrer Steuererklärung eingereicht werden:

"Mantelbogen", der deine persönlichen Angaben (Name, Identifikations- und Steuernummer, Adresse, Bankverbindung) enthält. Achte besonders auf das Feld "Religionsschlüssel", in dem du deine Religionszugehörigkeit angeben musst: Wer "römisch-katholisch" oder "evangelisch" auswählt, muss einen Beitrag an die jeweilige Kirche zahlen! Um von der Kirchensteuer befreit zu sein, wähle "VD".  

"Vorsorgeaufwand", wo du die Beträge eintragen kannst, die du im Laufe des Jahres in die Kranken- und Rentenversicherung eingezahlt hast. Da das deutsche Recht vorschreibt, dass alle Einwohner Deutschlands unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus (oder dem Fehlen einer Beschäftigung) versichert sein müssen, müssen diese Beträge in diesem speziellen Blatt getrennt von den berufsbedingten Ausgaben dokumentiert werden.

Je nachdem, ob du fest angestellt oder freiberuflich tätig bist, musst Sie entweder eine ausgefüllte "Anlage N" oder eine "Anlage EÜR" einreichen. "Anlage N" ist das Formular für nicht freiberufliche Tätigkeiten, während sich Anlage EÜR" auf die Einnahmen-Überschuss-Rechnung bezieht, die Freiberufler einreichen müssen. In beiden Formularen kannst du berufsbedingten Ausgaben eintragen. Wenn du sowohl Freiberufler als auch Arbeitnehmer bisz, musst du beide Formulare ausfüllen und die jeweiligen Einnahmen und Werbungskosten entsprechend zuordnen.

#Nr. 4: Was zählt zu den berufsbedingten Ausgaben?

Zu den berufsbedingten Ausgaben gehören:

  • Studiengebühren (falls zutreffend)
  • Semesterticket (oder alternativ Ihre Reisekosten für jede Fahrt zu Ihrem Arbeitsplatz)
  • elektronische Geräte, wie Laptops, Smartphones und Drucker
  • Schreibwaren
  • einschlägige Bücher und Zeitschriften sowie Zeitschriftenabonnements
  • Ausgaben für Ausdrucke, Kopien und Scans
  • Internet- und Telefonkosten
  • Bezahlte Kurse zur Fortbildung
  • Kosten für Austauschsemester und Exkursionen (Unterkunft, Reisekosten, Verpflegung)

Grundsätzlich ist jede Ausgabe, die mit deiner Arbeit oder der Verbesserung deiner Chancen auf dem Arbeitsmarkt zusammenhängt, als berufsbedingte Ausgabe abzugsfähig, es sei denn, sie wird von deinem Chef erstattet. In Fällen, in denen eine berufliche Ausgabe auch für andere Zwecke verwendet wird, wie z. B. Internet- und Telefonflatrate, musst du den Prozentsatz der ausschließlichen Verwendung für die Arbeit berechnen und entsprechend abziehen.

#Nr. 6: Als Faustregel kannst du immer noch versuchen, den neuen Schreibtisch abzusetzen.

Meiner Erfahrung nach hat es noch niemandem geschadet, weniger offensichtlich berufsbedingte Ausgaben von der Steuer abzusetzen (solange sie tatsächlich mit Ihrer Arbeit zusammenhängen, versteht sich). Es ist möglich, dass das Finanzamt den neuen Schreibtisch nicht als Werbungskosten anerkennt, da er auch für andere Zwecke verwendet werden kann, die nicht direkt mit Ihrer Arbeit zusammenhängen (hallo Hausarbeiten). Dies ist jedoch der ungünstigste Fall, während du, wenn Ihrem Antrag stattgegeben wird, einen weiteren Steuerabzug erhältst.

#Nr. 7: Dennoch musst du nicht jedes einzelne Feld eines Formulars ausfüllen.

Wenn deu deine Formulare ausfüllst, wirst auf zahlreiche Felder mit unheimlich komplizierten Namen im deutschen Amtsdeutsch stoßen. Wenn dir diese Felder nicht bekannt vorkommen, liegt das daran, dass sie höchstwahrscheinlich nicht auf dich zutreffen. Die meisten Felder in einem Steuerformular haben nichts mit dem Studentenstatus zu tun, also sei unbesorgt.