14.01.2022

BAföG in Zeiten von Corona

Auch das Wintersemester 21/22 wird kein Regel-Semester sein.

Am 13.01.2022 gab die neue Staatssekretärin für Wissenschaft, Frau Naghipour, bekannt, dass auch das Wintersemester 21/22 nicht als Regelsemester angerechnet werden wird. Für viele BAföG-Empfänger*innen ist das relevant: Sie können über den eigentlichen Regelzeitraum weiter BAföG erhalten. 

Welche weiteren Änderungen haben sich seit Corona auf das BAföG ergeben?
Christian Gröger-Hafermann, Leiter der Abteilung BAföG im studierendenWERK BERLIN, äußert sich im Gespräch zu den Neuerungen. 
Das Interview führte Mandy Krause.

Herr Gröger-Hafermann, welche Nachteile im Bezug auf das BAföG haben sich seit Pandemiebeginn herausgestellt?

Ein großes Problem lag zu Beginn natürlich darin, dass viele Studierende ihre Jobs verloren haben. Wir konnten jedoch auch feststellen, dass eine große Anzahl derer schnell eine neue Arbeit gefunden hatte, zum Beispiel im medizinischen Bereich. Deshalb erkenne ich streng genommen im Zusammenhang mit BAföG keine schwerwiegenden Nachteile, bis auf die Tatsache, dass es nach wie vor keine Möglichkeit der persönlichen Beratung gibt. Das federn wir aber durch die Möglichkeit der Online-Antragstellung ab, die ein Weg zu uns ins Haus im Regelfall entbehrlich macht.

Die Antragstellung birgt für viele ja dennoch Fragen. Wie gehen die Mitarbeiter*innen des studierendenWERKs damit um?

Sicherlich stellt die Pandemie auch für uns eine einschneidende Erfahrung dar. Aufgrund der Kontakt- und Abstandsgebote haben wir den Kund*innenkontakt komplett einstellen müssen. Wir sind daraufhin in einen Notbetrieb übergegangen. Erst seit Juli haben wir unter angepassten Arbeitsbedingungen wieder einen regulären Arbeitsbetrieb. Davon ausgenommen sind nach wie vor aber die persönlichen Sprechstunden. Anfragen fangen wir aktuell telefonisch oder über E-Mail ab. Hier spüren wir natürlich auch einen erhöhten Beratungsbedarf. Im Moment sind wir dabei, zwei Beratungsräume einzurichten, in denen unter Wahrung aller gesundheitsschützenden Maßnahmen persönliche Sprechzeiten im Einzelfall möglich sein sollen.

Nun ist die „individuelle Regelstudienzeit“ bereits zum vierten Mal verlängert worden. Was genau heißt das für BAföG-Empfänger*innen?

Behinderungen in der Lehre, die durch die Pandemie zustande kamen, sollen nicht den BAföG-Empfänger*innen zur Last fallen, d. h. die jeweils individuelle Förderhöchstdauer soll dadurch nicht tangiert werden. Das Land Berlin hat daher bereits vier Semester zu Nicht-Regelsemestern erklärt, um Studierende, die von Verzögerungen im Studienverlauf betroffen sind, entsprechend zu entlasten.

Welche Neuerungen treten darüber hinaus in Kraft?

Neu war zum Beispiel, dass Einkünfte aus Jobs, die einen pandemiebedingten Hintergrund haben, von der Einkommensanrechnung im BAföG ausgenommen sind. Dies betrifft vor allem solche Jobs, die eine gewisse gesellschaftliche Verpflichtung beinhalten, wie beispielsweise in der Pflege. Diese Freistellung gilt aktuell bis zum 31.2.2022.

Wie ist der Stand für internationale Studierende?

Für internationale Studierende gibt es keine durch Corona verursachten Umstellungen.

Steigt die Zahl der Anträge aktuell eher?

Wir konnten einen leichten Anstieg  feststellen. Vor allem die Folgeanträge steigen. Darüber hinaus gibt es ganz sicher auch eine große Dunkelziffer an potentiellen Antragsteller*innen, die einen Anspruch hätten, diesen aber – vielleicht auch aus Angst vor dem Aufwand – nicht geltend machen.

Detaillierte Informationen zum Thema BAföG und Corona findet ihr auch in unseren FAQ.

Christian Gröger-Hafermann,
Leiter des BAföG-Amtes in Berlin

Foto: Claudia Neumann