16.04.2026

seite auf seite

April 2026

deine haare in schwarzer kohle fallen in deinen nacken,

hier fällt staub auf hb silhouetten,

hauchverschmiert auf skizzenpapier,

berühren sich seite auf seite,

falten im rücken ohne schatten.

wann habe ich aufgehört körper zu zeichnen,

seit wann übe ich perspektivisch,

nach fotografien von alten straßen in berlin,

oder führe in tinte linien von ästen, in tränen verhangen,

weil da war ein gemälde vor einiger zeit,

von deinem körper lebensgroß in einer wüste,

dein körper, wie metropolis im babylon,

violettfarben, die anatomie der imitation von sehnen und lippen.

in einem losen griff habe ich dir einen granatapfel in die hand gelegt,

du hältst ihn, als der rote saft von deinen metallenen fingern auf den boden tropft,

und dort, inmitten der lache liegt ein verdursteter fuchs,

wann habe ich aufgehört körper zu zeichnen,

vielleicht stehe ich in deiner schuld,

dich in symboliken von gewalt gehüllt zu haben,

dich und deinen maschinenkörper in die wüste verbannt zu haben,

ist das mein geständnis,

ich habe vor einem jahr im april das letzte mal einen körper gezeichnet,

schattiert im stolz keine einfache silhouette zu sein.

nur habe ich deine gesichtszüge ausgelassen,

das ist dein körper auf papier,

deine schultern, dein rücken auf einer decke auf kaltem boden,

vielleicht hatten wir keine zeit,

vielleicht war es zu intim dir ins gesicht zu sehen,

mein name im akronym,

das ist dein körper auf papier,

dein gesicht im anonym,

damit das nicht enthüllt werden kann,

als es um körper nicht mehr symboliken gibt,

als dass es dein muttermal ist,

auf deinen rippen.

damit ich nicht auch in deiner schuld stehe,

lege ich dir kein totes tier hin,

verbannung um verbannung,

stehen wir alle nackte geständnisse,

im babylon oder babylon kreuzberg,

und wünschten uns, wir wären silhouetten auf papier,

als es um körper nicht mehr symboliken gibt,

als dass wir einander schutz und schutzlos sind.

Das Babylon-Kino von Außen
(c) Ayşe Kara