29.01.2026

schwäne küssen krähen

Februar 2026

glauben wir an den sommer

als in berlin eine trauerweide erfriert,

es liegt laub, es liegt der regen vom vormittag,

als ob ich hier ostseite,

engelbecken,

nie am wasser sitzend,

dann liegend, in langen texten von aporien gelesen hätte,

als hätte ich nie die zeilen verloren,

als sich die schwäne ihre federn putzten,

als sich das pärchen neben mir küsste,

die krähen in ihrem tanzenden gang die wiese streiften,

engelbecken, leuschnerdamm

ich schaue richtung westen,

und sehe, zweiundachtzig oder früher,

die erste bleibe meiner familie,

bleibe sagt für üblich niemand.

vier kinder, zwei zimmer,

mit blick auf den kahlen todesstreifen,

seit wann gibt es diese anlagen,

die rosen und das wasser,

zwischen den schwänen, küssen und krähen,

sehe ich meinen vater als jugendlichen am

leuschnerdamm, engelbecken,

zwischen mauer und kühlen altbauwänden,

in den armen brennholz oder alte dielen tragend,

glauben wir an den sommer,

als es hier damals noch keine trauerweiden gab,

als es keine schwäne gab; die küssten; die krähen;

wie sie gefroren hätten.

 

Eine Illustration, in der sich Schwan und Krähe küssen
(c) Ayşe Kara