29.05.2026
moosmythe
Mai 2026 - Abschlussprojekt
die sandstadt,
zuvor regen auf moose:
sie nährt sich an keinem gewässer,
nicht am schwarzen meer,
führt sie eine handvoll
vom bach an ihren mund,
zuvor sie einem treibenden fisch
eine handvoll
als gabe hinhält,
um wasser –
es atmen an ihren schulterblättern,
kiemen im dreivierteltakt,
hebt sich vom see ein moosnebel;
legen sich auf ihrer haut,
schichten chlorophyller dünste ab.
es nähert sich an –
als die letzte hebung fällt
ihre rippen, ihre atmung
der schuld verfällt.
ein kind könnte sie nur eine hure nennen,
‚es schaut kein auge zu dir jetzt –‘
als sich im feuchten moos,
kiemenfleisch vom schuppen trennt,
fließt mit ihrem schweiß,
sündigung dem see
als erste schenkung zu –
wie vom knochen zum grätenornament.
kein fisch würde
von ihrer hand trinken,
wo sich die letzte hebung senkt,
ihr kiemenfleisch,
in süßwasser getränkt,
ihr körper dem moos
nicht der erde oder asche geschenkt.
‚habe ich dich von der wüste
an das ufer getragen,
ihr, ihr konntet keinen tag vergeben,
jetzt, es bahnt sich an –‘
verwesung um verwesung,
dein fischleib im sediment
unter segmentschichten,
bleibt nach dem regen von dir,
skelettierung;
wächst von dir
asphalt, über zement,
über sand, über moos.
bleibt von dir,
was eine stadt
als mythos denkt;
eine stadt,
die nie deine war –
erschöpft von dir,
dass wir den speichel
aus deinem mund tranken,
so sagt es sich,
um einen warmgrauen himmel:
‚ich will nicht versunken sein
ich will nicht im wind –
nicht im schall –‘