28.04.2026
berolin
April 2026
berolin trägt bärenpelz,
ihr schritt im widerhall der gasse,
in hohen absätzen aus granit,
hört die nacht in der naunynstraße
ihrem summen und ihren schuhen nach.
von ihrem nacken hängen kupferketten,
in einem arm berlin, alexanderplatz.
berolin trägt keinen echten bärenpelz,
das würde ihr schauern auf der haut,
bei mitternacht und später,
als sie zitternd in dem polyester
bis zur spree und bis zum neptunbrunnen,
am may-ayim-ufer, das lesezeichen,
ihr zeitungshoroskop verliert;
es sagte ihr: du wirst es finden,
wenn du etwas suchst in der nacht,
aber berolin glaubt nicht an orakel,
würde sie niemals so naiv sein,
wie als der mond in ekliptik,
und die spree im stillen lichtspiel,
von metropolischen montagen spricht,
was sollte sie suchen,
in dieser stadt, wo sie alle straßennamen kennt,
wo sie nichts verloren hat.
berolin steht vor dem roten rathaus,
die außenfassade glüht in flammenfarben,
und sie wird nicht einbrechen,
sie wird keine marmorstatuen stehlen,
weil sie bemerkt,
da fehlt ein zeichen in den montagen
des berlin, alexanderplatz,
weil sie nicht anders kann in diesem skript,
sucht sie bis in morgenstunden,
vom neptunbrunnen bis zur spree,
nach diesen oraklischen zeilen,
in taktierenden absätzen aus granit.