18.03.2026
arabesk und house
März 2026
du trägst roten lippenstift und adidas trainer,
am schlesischen tor, am freitagabend
sitze ich dir gegenüber – zwischen uns zwei biere, ein aschenbecher.
wir haben uns zufällig beide die nägel silber lackiert.
wir erzählen uns, wann wir uns das letzte mal gesehen haben,
was seitdem war,
du zeigst mir dein erstes tattoo,
das seitenprofil zweier augen, eines umrahmt in einem stern,
die wimpern in ihrem schwung gezeichnet wie deine.
in meinem augenwinkel teilt sich ein date am nebentisch kabelkopfhörer,
in einem ohr klingt ihnen wie uns auch
arabesk aus dem spätiradio.
ich sitze dir gegenüber – du trägst roten lippenstift und deine haare kürzer,
wir wollen heute tanzen gehen, house night,
wir erzählen uns, wann wir uns das letzte mal gesehen haben und was seitdem war.
ich kann dem beschwiegenem hedonismus nicht entgegenhalten
und kann es nicht, dich zu fragen
‚wie geht es deiner familie?‘,
sonst fragen wir das immer.
in einem augenwinkel, bilder von zerstörung,
zwischen uns zwei halbe biere, ein freitagabend,
und ich kann es nicht, dich zu fragen,
stattdessen frage ich, ob es erträglich war,
als es unter die haut ging,
als du dir dein erstes tattoo gestochen hast,
weil wir wollten heute noch tanzen gehen.
es blieb einen abend lang unausgesprochen,
zwischen tanzflächen und lippenstiftschichten,
neben arabesk und house.