30.01.2025
Angespitzte Zähne
Januar 2025
Die Wölfe waren ausgebrochen. Das taten sie ab und zu. Dann kreisten sie um die dürren Büsche und Spätis, ihr Fell eine Mischung aus Schatten, Neonlicht und gelb flackernden Laternen. Lauerten. Warteten.
Ihr Grau verfloss mit dem Asphalt, gescheckte Pflastersteinmuster, Risse alter Narben.
Ein Spiel mit der Existenz, verstecken, verschwinden, verstreichen von Zeit, die nicht ganz ihre ist.
Markieren die Stadt, stechend und nass.
Und beißen zu, wenn jemand wagt.
Mara hatte Augen für die Tiere, konnte sie vage in Winkeln erahnen. Sie kreisten um ihren blinden Fleck und verflossen wieder wenn Gefahr bestand, dass ihr Blick sie fängt.
Mara wagte sie zu fangen, versuchte mit dem Finger zu zeigen und real zu machen. Eine Eindeutigkeit zu erzwingen. Hier oder nicht hier. Schwarz oder weiß, sie Griff in das Grau und die Wesen und die Zeit.
Sie bissen zu. Rissen auf, langsam in den Straßen; an dunklen Ecken und im Neon. Zähne überall zermürbend, in Bahn, auf Asphalt, den Rolltreppen der Höfe.
Spuckefäden hungriger Schlünde zogen ihre Linien, glänzend, nass. Verschlungen. Verschlungen. Mara, die es wagte und jetzt?
Verschluckt im Zwielicht, in Schwebeposition; im Warten und Zeit nicht ihre. Passiv im Zentrum mit glasigem Blick. Im Smog der Straßen nassgetränkt.
Mara schüttelte und rüttelte, schluckte langsam zurück, schrie in der Bahn und spitzte ihre Zähne an; denn zum Verschlingen war SIE da. Eine Stadt hatte nicht zu konsumieren, musste es werden. Die Wölfe waren ihre und nicht andersherum.
Sie riss ihren Mund auf und fing an.
Sie schrie auf dem Asphalt, schrieb auf dem Asphalt, verteilte sich und ihre Gedanken. Machte zu eigen, markierte ihre Stadt.
An manchen Tagen.
Löschte aus die Gleichzeitigkeit, Einzeitigkeit, Langweiligkeit.
Sie wagte und die Wölfe bissen und sie biss zurück. Strichen herum, strichen an.
Und erklärten sich den Kampf.