29.01.2026
Abschlussprojekt mit Mari Molle: Das ABC als Lausemittel
Januar 2026
- Der Biss
unter der Zunge [im Diminutiv]
der Zunge unter liegt ein Dorn; das Fleisch will
nichts gehen lassen. Wörtchen, ohne Unter-
lass, reden mit und mit und Mundraum: auf, schwill
an. Heute leiden wir Gedächtnisschwund, Herr
Minister. Nichtig räumen und albtraumstill
erinnert selbst sich nichts an uns. Darunter,
hinein, da mitten rein: sie pendelt, wendelt.
Verzückte Spinne webt ihr Netz gebündelt.
der Zunge unter liegt ein Nierchen. Monat-
lich stößeln gelbe Zähne Nieren,
noch eine, eine noch und allesamt. რა
თითო—თითოდ, wir gehn auf allen Vieren
vor weiße Schüsseln nieder, zitternd Lid, bar
von jedem Schein* / von zarten Spucketieren,
die Spuren lassen, rot und braune Flecken.
Umwunden über blutig Lippen lecken.
und wenn ein Dorn im Fleisch sich festsetzt, heulen
wir ganz gezielt, um ihn zu lösen. Geld, wohl
wie Fluten während großen Regens, Säulen
aus Wasser, dauernd fließt es ab, und unwohl
der Dorn uns stecken bleibt. Im Eiter faulen,
umsäumtes Leben. *Augenfeuer, holzhohl;
wir leben all in unsren tausend Zellen
(o, welch Gemeinplatz), schlagen brandend Wellen.[i]
Paris, Sommer 2023. Es fängt mit Bildern an, die Bisse und Stiche zeigen, gefolgt von Videos, die viral gehen, und Kommentaren, die die Schuld an der Plage Flüchtlingen zuweisen. Man will die Olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr nicht gefährden. Also werden Krisensitzungen einberufen. Hotels und Kinos geschlossen. Spürhunde eingesetzt. Trotzdem lässt sich kein nennenswerter Anstieg an punaises de lit feststellen. Fragt man die KI, antwortet diese, es handle sich bei der sogenannten Bettwanzen-Panik um ein Zusammenspiel realer Probleme, sozialer Psychosen und gezielter Desinformation.
Der Parasit ist klein, nach außen unschein-, geradezu unsichtbar. Wenn man die Kotspur auf dem Bettlaken erkennt, ist es bereits zu spät.
M.s Mutter schickt mir über Instagram ein Reel, in dem Insekten von der Größe eines Maiskorns auf Berliner S-Bahn-Sitzen zu sehen sind; es ist obviously KI-generiert, doch sie sieht darin einen Beweis für ihre telefonisch mehrmals in der Woche vorgetragenen Warnungen: Portez des masques! Lavez les mains! Ne touchez rien dans les trams!
Die KI ernährt sich auch nur vom Rauschen, das durch das Internet zieht, konsumiert große Ansammlungen von Wörtern und Bildern und spuckt die am häufigsten vorkommenden wieder aus. Das macht sie an sich weder harmlos noch harmvoll; wahrscheinlich sind uns die Wörter und Bilder, vor denen wir uns fürchten, längst auf anderen Wegen unter die Haut gegangen.
Zu den gutgemeinten, in ihrer Direktheit kaum zu überbietenden Ratschlägen, die mir mein Vater mit auf den Weg gab, gehörte jener, ich solle mich bei jeder Freundschaft fragen, welchen Nutzen ich davon habe.
Mein Vater saß auf der Couch, ich auf seinem umgedrehten Wäschekorb, zwischen uns Zigarettenqualm. Ich hatte ihm eben von einem Freund erzählt, für den ich manchmal Anrufe erledigte oder Briefe schrieb. Aber ausgerechnet mein Vater, der seine Wäsche noch Jahrzehnte nach der Scheidung von seiner Ex-Frau waschen ließ, sah darin eine Rechnung, die nicht aufgeht.
Für sie selbst, so Veronika, öffneten sich die Schleusen nicht so ohne Weiteres, nein, all das käme auf Abruf, respektive: stünde bereit, für das Projekt.Aber da müsse sie doch fragen, was hat denn, ja was hat denn das Projekt jemals für mich getan? Zahlt es meine Miete? Räumt es meinen Schreibtisch auf? Hält es Tee bereit? Ist es noch da am nächsten Morgen? Hält es mir den Kopf, wenn ich am Ende bin? Klickt es mir wie nebenbei den Achter in den Klettergurt, weil es weiß, was ich brauchen werde da oben, wenn ich wieder runterwill? Was hat es, was hat das Projekt denn je für mich getan?[ii]
Der Parasit wird zu Tisch geladen; dafür muß er die Zecher mit seinen Geschichten und Scherzen erheitern. In höchst präzisem Sinn tauscht er gutes Essen gegen gute Worte, er bezahlt, er kauft sein Mahl mit der Münze der Sprache. Das ist das älteste Gewerbe der Welt.[iii]
Frage ich meinen Vater nach dem Begriff „Schmarotzer“, sehe ich einen Trichter. Mein Vater sitzt auf der Kante, da, wo das Becken in die Verengung übergeht, und hält sich mit aller Kraft fest. Der Begriff schlittert kreisend hinab, an ihm vorbei zu einem ehemaligen Trinkkollegen. Dieser, so mein Vater, beziehe zwar dieselbe Rente wie er, im Gegensatz zu ihm habe er aber nie in der Schweiz gearbeitet. Eine Fabrik im Inland sticht einen Krieg im Ausland aus, lerne ich, ein mehrfach operierter Rücken berechtigt zu mehr Sozialleistungen als ein psychologischer Schaden. Doch als ich an diesen Schlussfolgerungen rüttle, geschieht etwas Unerwartetes: Der Trichter, von dem mein Vater gar nicht weiß, dass er ihn in den Händen hält, wird umgedreht, zeigt jetzt mit der Spitze nach oben.
Die Metapher des Parasiten zeugt von einem faschistoiden Reinheitsideal, das die Abhängigkeitsverhältnisse im Kapitalismus als umgehbar missversteht, die eigene Gier ungeliebten Minderheiten zuweist. Können wir sie überhaupt produktiv machen?
An der Warschauer Straße steigt ein Mann mit Mikro und Verstärker in die U3 und beginnt zu rappen: We’re connected, but we’re disconnected, we’re all so connected, but so disconnected… Wie alle im Wagen starre ich abwechselnd auf mein Handy und in die Luft. Erst als er zwei Stationen später ohne eine Münze im Becher wieder aussteigt, merke ich, dass ich meine Nackenmuskeln angespannt habe. Die Person neben mir schnauft, schüttelt demonstrativ den Kopf.
- Der Arbeitsgang
Das Private ist geschäftlich, und das Geschäftliche ist privat.[iv]
Am Anfang steht nicht die produktive, nützliche, Gebrauchswerte schaffende Arbeit; am Anfang steht vielmehr die parasitäre Aneignung, die listige Ausnutzung von ›Beziehungen‹ und ›Vorteilen‹: »Der Mensch ist des Menschen Laus.«[v]
Und gleichzeitig ist der Mensch des Menschen Affe, der ihn laust.
Seit ich in Berlin lebe, fehlt mir andauernd Geld.
Deshalb habe ich einen weiteren Job angenommen; ich soll E., einer pensionierten Deutschlehrerin, beim Gärtnern helfen.
Unser erstes Treffen (ist es ein Vorstellungsgespräch?) wird von ihr mehrmals verschoben. Ihre fünfzehnjährige Hündin ist krank und wird schließlich eingeschläfert.
Als wir uns endlich in einem Café im Schillerkiez treffen, ist E. noch immer ganz mitgenommen. Sie sagt, sie habe eben einen Bekannten auf der Straße getroffen, der sie auf den Hund angesprochen habe; wahrscheinlich sei deshalb Ihre Stimmung wieder ins Düstere gekippt.
E. bestellt sich ein Sandwich und mir einen Cappuccino. (“Auf ein Getränk lade ich dich ein.”)
Draußen, an einem Tisch unterm Kirschbaum, reden wir über ihre Hündin, die Pandemie und ihren Eintritt in die Rente, der in diese Zeit fiel. Ich erzähle von meinem Vater und seinen Katzen, höre zu, frage nach. Dazwischen schickt sie mich immer wieder los, um nach ihrem Sandwich zu fragen, das noch immer nicht da ist, ärgert sich, bekommt kalte Arme, will sich in die Sonne setzen und wenige Minuten später wieder in den Schatten.
“Ich hoffe, du bist jetzt nicht abgeschreckt, ich bin sonst nicht so kompliziert, es ist einfach der Hund”, sagt sie.
Und während ich vor dem Treffen noch nervös war (was, wenn sie mich nach meinem Kättensägenschein fragt?), entspanne ich mich allmählich, weil ich zu verstehen glaube, dass sie mehr als Muckis und Wissen über Bäume Gesellschaft sucht.
Kaum ist der Gedanke da, kommt es mir schon falsch vor, dafür von ihr Geld zu verlangen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mich nicht nur selbst sabotieren würde, wenn ich ihr jetzt anböte, auch ohne Entlohnung in ihren Garten zu kommen. Ich würde damit den Rahmen unserer Beziehung angreifen, der sie erst möglich macht.
Bin in der DNB und habe mir in die sogenannte Medienausgabe, ein elektronisches Schließfachsystem, welches vor ein paar Monaten offene Regale für ausgeliehene Bücher ersetzte, in denen die Titel lesbar waren, von denen einige ein Gefühl der Verbundenheit hervorriefen, Titel, die nun hinter verdunkelten Scheiben von Schließfachtüren nicht mehr zu erkennen sind, habe mir also in die Medienausgabe Frankziska Füchsls Die Straßen sind sichtbar bestellen lassen. Gleich stelle ich eine Rechnung über 500€, die mir gerade recht kommen, damit der August, nein, im September sind wir bereits, der September der erste Monat seit langem wird, in dem ich nicht im Dispo bin. Im genannten Buch lese ich auf Seite 20: “Ich rauche nur, wenn er mir vom Wetter in den Mund gelegt wird; andere reden nur noch, was ihnen von der öffentlichen Hand in den Mund gelegt wird. So überrundet es uns, das Leben, von der Hand in den Mund, ein Euphemismus für Überfahrenwerden.”
Füchsls Buch beginnt mit einem schwarzen Sackerl, das vom Wind herumgestoßen wird, ich denke an ein Hundekotsackerl. Ich wundere mich, dass ein Buch über Straßenbeobachtungen beginnt mit einer fliegenden Tüte, wundere mich ob des Klischees, des unmittelbaren Links von fliegenden Plastiktüten zu American Beauty. Andererseits endet diese Beobachtung mit einem Gedanken, der da ungefähr lautet: es sei sicher schön, bloß vom Wind beherrscht zu werden. Oder: der Wind - der einzig erträgliche Herrscher.
Wochenlang stand ein Beutel mit Kleidung, die meinem Kind zu klein geworden ist, in der Wohnung. Eben brachte ich ihn auf eine breite Fensterbank an der Straßenecke Eisenbahnstraße / Annenstraße. Dort liegt häufig Aussortiertes. Auf dem Weg ging ich an einem Autoanhänger für Pferde vorbei mit dem Aufdruck:
Deutsche Elitestuten Championat.
Meine erste Schicht in E.s Garten läuft noch gut.
Ich reiße Unkraut aus dem Erdbeerbeet, mein Kopf bedeckt mit einem Schal, damit ich keinen Sonnenbrand kriege. E. sitzt auf einem weißen Plastikstuhl hinter mir und zielt mit dem Wasserschlauch abwechselnd auf die Obstbäume und die Blumenbeete. Sie sagt, zwischen den Erdbeeren sei noch Platz frei, ich könne gerne ein paar eigene Tomaten pflanzen. Am Ende trage ich ihren E-Roller die S-Bahn-Treppe hoch und wir verabschieden uns herzlich, nachdem sie mir die vereinbarten dreißig Euro in die Hand gedrückt hat.
Doch schon kurz darauf wird es komplizierter. Wir schreiben E-Mails hin und her bezüglich meiner Versicherung; sie will, dass ich mich informiere; ich informiere mich und schlage eine Anmeldung als Minijob vor. “Das nimmt ja Formen an…”, schreibt sie, mit diesen drei Punkten.
In der Nacht vor meiner dritten Schicht erreicht mich um 02:37 Uhr eine SMS. E. schreibt, sie könne gerade nicht schlafen, ihr wäre es lieber, morgen statt Unkraut zu jäten, gemeinsam die Minijob-Anmeldung im Café zu machen.
Wie die letzten Male will ich E. zur Begrüssung drücken, doch sie weicht zurück, reicht mir die Hand. Als wir vor dem Laptop sitzen, fragt sie, ob mir bewusst sei, dass ich mich gerade verpflichte; ich sage ja, bin mir aber plötzlich nicht mehr sicher, zu was.
An der Kasse seufzt sie in ihr Portemonnaie: „Für heute muss ich dich noch bezahlen, das war ja kein Privattermin, oder?“
Deshalb fasziniert dich der Baum oder setzt dich in Erstaunen oder gibt dir Ruhe, wegen dieser unvermuteten, unvermutbaren Selbstverständlichkeit der Rinde und der Äste, der Blätter. Vielleicht gehst du deshalb nie mit einem Hund spazieren, weil der Hund dich anschaut, dich bittet, mit dir spricht. [...] Mit einem Baum jedoch wirst du nie einen Dialog führen. Du kannst nicht in Gegenwart eines Hundes leben, weil der Hund dich jeden Augenblick darum bitten wird, ihm zum Leben zu verhelfen, ihn zu füttern, ihn zu streicheln, Mensch zu sein, sein Herr zu sein, der Gott zu sein, der diesen Hundenamen donnert, auf den er hört und bei dem er sich sogleich auf den Bauch legen wird. Der Baum jedoch verlangt nichts von dir.[vi]
Doch stimmt das? Seine Materialität, sein Dasein, sorgen sie nicht dafür, dass ein Verlangen von ihm ausgeht? Wer verlangt von mir, mein Bett zu machen? Ist es nicht das Bett selbst, das gemacht werden will, ist es nicht der Text, der geschrieben werden möchte (er zieht). Herr werde ich dadurch nicht, diese Position wohl ohnehin prekär. Alleine als Verneinung von Leine.
Ich habe einen neuen Job angefangen, arbeite jetzt als Hilfskraft für eine Professorin am Institut, an dem seit drei Jahren studiere. Man hat mir dafür einen Transponder gegeben, mit dem ich Zugang zu mehreren Büros, Seminarräumen und dem Postraum habe. Ich bin erstaunt darüber, wie sehr der Transponder mein Verhältnis zum Institut verändert: Wenn ich die Türen aufschließe, fühlte es sich ein bisschen so an, als gehörten diese Räume auch mir.
– Und ein hoher Baum.
Hoher abgekahlter Baum. Blattlos eben.
Gefüllt von Tag und Nacht.
In den dunklen Himmel fort.
In den grünen Forst rechts Forsthaus hinunter
gefällt der Stamm grau und kahl
und langhin entastet.
Da liegt er. Seit dem Sommer.
Im Dorf sehe ich mehrere solche.
Sie werden mich übersterben.
Meine Handflächen meinen. Schade um sie.[vii]
- Das ABC als Lebensmittel
Seit etwa einem Jahr haben die Bewohner:innen des Hauses, in dem ich lebe, je einen Schlüssel für den Müllraum. Zuvor war er immer betretbar und im Winter schliefen dort Menschen. Sie legten sich Pappe aus dem Papiermüll auf den Boden, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie rauchten Crack. Die Alleinerziehende, die mit ihrem Kind direkt über dem Müllraum wohnt, bekam Angst, dass ein Feuer ausbrechen könnte. Die Frührentnerin, die seit dem Mauerfall nicht mehr in ihrem Beruf als Erzieherin arbeiten darf, die auf derselben Etage lebt wie ich, hat ebenfalls viele Ängste, zum Beispiel, dass mein Kater, nicht mehr wiederkommt, wenn er rausgeht. Einmal betrat sie den Müllraum früh morgens und wurde von dem Menschen, der darin übernachtet hatte, erschreckt. Sie baten die Hausverwaltung um Schlüssel.
[Das Gedicht] ist ein Schloß, das immer wieder zuschnappt, die Erläuterung darf es nicht aufbrechen wollen.[viii]
Wenn die Erläuterung schon mit der Brechstange ums Gedicht schleicht, stellen sich mir gleich mehrere Fragen: Was gibt es hier zu erbeuten, das die Erläuterung woanders nicht findet? Wo will sie mit ihrer Beute hin? Ist ihr Fehler die Brechstange, wären eigentlich spitze Finger vonnöten? Oder nimmt sie das Knobelspiel mit dem Schloss, hinter dem sich gar nichts verbirgt, einfach zu ernst?
Das Schöne am Gemeinplatz: dass er allen zugänglich ist.
Das Unschöne: Der Gemeinplatz ist die Fußgängerzone einer mitteldeutschen Kleinstadt.
MÜLLAB-FÜLLEINFUHR
es geht dabei um das weltweit berühmte
tage-sage-frage-jage-klage-plage-rage-vagebuch
mit v - wagebuch mit w, waagebuch mit zwei a,
page-peage-krage-lage-zagebuch. bleiben wir
bei tagebuch
[…]
ohne müllABfuhr, keine FüllEINfuhr.
um die FüllEINfuhr ist es mir
ABC ALS LEBENSMITTEL[ix]
Gestern Hausarbeit erledigt, die ich über mehrere Wochen hinweg habe schleifen lassen. Manchmal brauche ich das, wenn ich eine Deadline im Nacken habe: Wenigstens beim ewigen Loop der Haushaltsaufgaben einmal auf Pause drücken. Dann alles in einem Tag erledigen mit Hörbuch im Ohr; in den Ekel mischt sich eine abjekte Lust, wenn ich Haare aus dem Abfluss ziehe oder verschimmelten Salat in die Toilettenschüssel kippe.
“im moment machen wir das so, das hat sich in der vergangenheit auch bewährt”
Ausprobieren einer Form, mehr als das. welche Form und wie kann
das lyrische Ich, das ja ich bin, mehr als probieren, es sucht und findet eine
Mikrowelle, auf der steht: Obacht! METAL FEUER. sein Hals brennt, es hat eine
Wespe vom Hals wegzuwischen versucht, war unachtsam, ahnte nicht, dass da eine
Wespe sitzt. am Hals. nun hängt Zwiebelduft in der Luft, auf den Stich hat es
sich eine halbe Zwiebel gedrückt, das soll kühlen und der Zwiebelsaft
die Frau am Parkplatz vorm Supermarkt schaufelt sich mit barer
Hand Bratreis vom Asphalt in den Mund, der nie ganz schließt, aneinander
klebende Körner fallen wieder zu Boden, so geht das immer weiter. Interieur,
Exterieur. diese Sehnsucht, diese Form
die Slides mit Fotos zurückgelassener Wohnungen, interior design.
brain oder etwas Reisbrei kommt hoch, Wangen wölben sich leicht nach außen,
innen bleibt’s und wird wieder herunter
geschluckt, danach bissi
Kaffee
[i] Ich habe mir Stimmen geliehen aus Hiromi Itōs Dornauszieher, von Maya Sarishvili, Ana Tcheishvili und aus Heinrich von Kleists Über das Marionettentheater. Bei Itō ist die Notation zum Teil anders, aber ich bin der Stanze gefolgt. Ich bitte dafür um Verständnis. (MM)
[ii] Monika Rinck: Ah, das Love-Ding! Fischer Taschenbuch. Frankfurt am Main: 2017, S. 161.
[iii] Michel Serres: Der Parasit. Aus dem Französischen von Michael Bischoff. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main: 1987, S. 53.
[iv] Oyu Ocean: FREIKAUFEN. Performativität als Strategie von Unterdrückung und Befreiung im Theater des Strip Clubs, in: Triedere #30. Erscheint demnächst.
[vi] Georges Perec: Ein Mann der schläft. Aus dem Französischen von Eugen Helmlé. Diaphanes. Zürich: 2012, S. 30.
[vii] Elke Erb: Das mit dem Baum, https://www.ostra-gehege.de/das-mit-dem-baum-elke-erb/, zuletzt aufgerufen am 27.02.2026.
[viii] Peter Szondi: Über philologische Erkenntnis, in: Peter Szondi: Schriften I. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main: 1978, S. 266.
[ix] Ginka Steinwachs: ABC Leben, in: Edit #89/90. Herbst 2023.
Dieser Text wurde von Mari Molle und Alexandra Zysset gemeinsam verfasst.
Mari Molle, schreibt und übersetzt. 2023 erschien Die Stunde zwischen Hund und Wolf in der Rohstoff-Reihe von Matthes & Seitz. Weitere Veröffentlichungen unter anderem in Manuscripte, Hot Topic! und PS - Politisch schreiben. Seit 2019 am Literaturinstitut Leipzig. Teil des Literaturmagazins Edit und der Lyrikgruppe fährten. Lebt mit Kind in Leipzig.