16.04.2019

März 2019

Josephine Bätz

[auf dem weg zur uni richte ich mich nach regenfäden aus]

der bus rattert durch morgenstraßen
zu beiden seiten von mülltonnen
flankiert die tänzeln kanten
von einfahrtsgefällen entlang und
aufmerksame hunde heulen
überall

der krankenwagen vor uns fordert
auch ohne blaulicht abstand ein
wir nehmen unsere kurven
hart und etwas bricht seine speichen
im fahrtwind
sammelt sich winterlaub an
und brennt

unter den sitzen kauern taschen
zwischen den füßen
sie kläffen leise wenn es ans
aussteigen geht

metallbrücken wenn wir sie abfahren
setzen uns wenig entgegen sie haben
eine seltsame ausstrahlung
nicht richtig massiv

neue geschäfte in viel zu
alten gebäuden ein paar wartende
tragen haltestellen
die dächer ab

weite mäntel und schalungetüme
häufen zum rauchen nach draußen
unter dem taubengrauen himmel
stehen die häuser geduckt
und im winter
geht es in die schweiz

[manches bleibt hängen, der rest verflüchtigt sich]

taxis schleichen über den tempelhofer
damm und am straßenrand
legen sich grashalme so leise wie möglich
zurück in position
die luft ist lauwarm aber sie brennt sich
beim gehen in schlieren in die
atemwege ein das nächste taxi

steigt gedämpft in die eisen und wer
bei rot auf die straße wollte hastet
zum anderen rand mehr erschrocken
durch schwingungen als durch
einen plötzlichen ruck was nicht
richtig quietscht bleibt
den trommelfellen nicht lange
erhalten und ohne zuschauer
schüttelt sich die wirklichkeit
leichter ab

das auto wird massiv wenn es
an der ampel zum stehen kommt
und nur genau
bis zum lichtwechsel
scheinwerfer schimmern die
schmiere auf wartehäuschen an

beim gehen schrubbt die haut
eine schicht von sich frei oder
vielleicht gewinnt sie auch eine
dazu einen glasigen film
druckempfindlich der trotzdem
die wellen
auf abstand hält

[bedrohlich]

wenn ich sitze schießt der zug noch
etwas schneller durch die nacht
bäume drehen sich von den gleisen
weg richtung boden

drinnen schummert das
licht unsicher sitzreihen
entlang mein gegenüber hat
ein notizbuch vor sich wenn
augenkontakt passiert wird
keiner ein gespräch anfangen

vielleicht drängt sich uns
auf dem weg noch ein kaffee
auf oder wir bremsen
in den bahnhof ein
etwas
zu schnell

[nach brandenburg]

ziehen mit pfeil und bogen zur wildschweinjagd und zurückkommen mit borstigen haaren und funkelnden zähnen die klobigen körper mit mühe heben und vorsichtig sein da doch die hauer noch immer am schwein sind wachsam sein weil mit diesen waffen war es der erste versuch und sich freuen wenn man begrüßt wird und sich nicht freuen wenn man begrüßt wird und beim runternehmen der last die knie einklappen und glauben das tier auf dem rücken ächze mit und die letzten meter in mitte zur haustür schleifen drei etagen hoch ohne fahrstuhl und die blicke der nachbarn ignorieren morgen ist eh jemand anders mit treppeputzen dran und vor der wohnung die blutverschmierten turnschuhe ausziehen sich vornehmen morgen sich gummistiefel zu kaufen und dann doch weil der kühlschrank zu klein ist das schwein vor der tür lassen und den bogen wegstellen und die pfeile ordnen jeden tag einen bis zum nächsten versuch

(nach einer in der zeitung gesehenen meldung zur wildschweinjagd in brandenburgischen gemeinden)