10.01.2020

Januar 2020

Josephine Bätz

[sichtkanal]
das ist november / wir brechen dem zaun seine spitzen ab / wie glas // dieses gefühl von blutigen händen / auf frost der noch immer nicht / winter werden will // und wenn er das sagt / rattert die u-bahn letzte blätter aus den schienen / wir driften lieber zu fuß durch diese straßen / die sehen nachts noch unaufgeräumter aus / nicht leerer / eher als ob ihnen menschen / eine belastung sind / die man nicht freiwillig auf sich nehmen mag / die häuserschluchten wie tunnel führen bloß zum notausgangsschild / und auf der anderen seite / zur kreuzung / das sind auch nur zwei straßen die ihre richtung / mit gewalt austragen / lautlos / und / kalt

[selbstbewegung]
alles verdunkelt sich in ähnlicher weise / und die einkaufszentren werden runder / aber was will man eigentlich dagegen haben / das hier ist schließlich / eine kreisförmig denkende stadt oder eher / eine spirale um weiterzukommen / muss man viele runden drehen / und sie bewegt sich mit / am besten sucht man wohl einfach festen halt / für mich sind buchläden das nächstliegende / das naheliegendste aber für uns alle / eher die straßenlaternen / und diesen sonntag haben die geschäfte auf / die stadt döst nachts nur das ist das gute / aber dafür wacht sie tagsüber / auch nicht richtig auf / wir passen uns ihrem rhythmus / nur widerstrebend an / im karussell kotzt ja auch der zuerst / der die füße am boden behält und mir ist / zumindest schon flau / diese stadt macht mit uns was sie will /

[suchportrait]
wir rennen panischer der abend legt sich maskenschwer / aufs ungeschützte gesicht / das hat mit schönheit nichts zu tun / wir tanzen vorsichtig / und sehr genau / durch diese neonharte nacht / wo angst und amnesie versagen bleibt uns nur / der blick auf zugeklebte scheiben / und der krankenwagen – sehr abrupt / fällt um die ecke / wir sind schon wieder laut genug / um ganz allein zu sein / geht zu allen meine freunde / die euch lehren können / er flüstert fast / aber in momenten wie diesen benutzt man die eigenen worte nicht / sucht keinen untergang bis nicht der tag anbricht / und das ist fast zuviel verlangt / man ist schon bis zur wolkenunterkante hoch // allein // und immer noch nicht hoch genug / tauben kippen kurz die köpfe im vorübergehn / legen stumpfe flügel unter vorsicht an die flanken / und lassen uns den luftraum zum betrachten da