Studentisches Leben in 2021

Interview mit Abteilungsleiter Frank Thinnes

Herr Thinnes, auch im zweiten Pandemiejahr hat die Abteilung „Studentisches Leben“ ihre Angebote aufrechterhalten können, dadurch dass vieles online angeboten wurde. Welche besonderen Herausforderungen gab es 2021 für Sie?

Neben der Vergabe der Überbrückungshilfen des Bundes startete bereits im Januar die Vergabe der der Coronahilfen des Landes. 2 Mio Euro flossen in den Fonds „Zuschuss zum Studienstart bzw. Studienabschluss“, wo Studierende in besonderen sozialen Notlagen einmalig 1.000 Euro erhalten konnten, weitere 3 Mio Euro flossen in den Technikfonds, bei dem einmalig 500 Euro beantragt werden konnten. Insgesamt gingen bis zum September 2021 über 33.000 Anträge bei uns ein, deren Prüfung durch digitale Portale zwar erleichtert wurde, dennoch sehr viele Ressourcen – zeitweilig auch zu Lasten des Beratungsangebotes – gebunden haben.

Auch bei der Vergabe der Inklusionsleistungen gab es 2021 einen großen Aufwuchs: Die Zahl der vergebenen Mittel hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Vor allem die Dolmetscherkosten sind 2021 massiv gestiegen. Auch die Aufrechterhaltung des Kitabetriebs unter pandemischen Bedingungen war eine besondere Herausforderung für die Pädgog*innen des studierendenWERKs. Dass dies trotz allen Widrigkeiten gelungen ist und dazu noch im September die neue Kita auf dem Campus der Berliner Hochschule für Technik eröffnet werden konnte, das macht mich besonders stolz.

Die Digitalisierung macht auch vor Betreuungs- und Beratungsdiensten nicht Halt. Welche speziellen Entwicklungen gab es diesbezüglich in Ihrer Abteilung?

Vor allem die Einführung der Antragsplattformen für den Zuschuss und den Technikfonds haben uns in 2021 sehr nach vorn gebracht. Daher planen wir, auch weitere Hilfsfonds und auch die Integrationshilfen zu digitalisieren.

Zudem bieten wir nun Videoberatung und Videotrainings an. Die Entwicklung hier, gerade im Hinblick auf den Datenschutz und die Beschaffung der notwendigen technischen Ausstattung, hat uns einiges an Kraft gekostet. Inzwischen ist die Videoberatung aber implementiert und wird auch gut von den Studierenden angenommen.

Veranstaltungen, vor allem Workshops, haben wir 2021 zudem fast ausschließlich digital durchgeführt, hauptsächlich in der Schreibberatung und bei den Jobtrainings. Wegen der wachsenden „Online-Fatigue“ hat der Kulturbereich auch jede Freiheit in den Verordnungen genutzt, um Veranstaltungen in Präsenz zu ermöglichen. Der Aufwand war zum Teil sehr hoch, aber die Studierenden haben die Begegnung gebraucht und oft zum ersten Mal im Studium ein Gemeinschaftsgefühl unter Komiliton*innen entwickeln können.

Immer wieder gibt es Berichte und Studien über die steigende psychische Belastung der Studierenden durch die anhaltende Pandemie. Welche Beobachtungen haben Sie gemacht? Wie gehen Sie darauf ein?

In der Tat registriert das Team der psychologisch-psychotherapeutischen Beratung eine Zunahme an depressiven Verstimmungen und ein breites Spektrum an weiteren Belastungen, z.B. in Bezug auf Essverhalten, Einsamkeit, Angst. Die Auswirkungen der Pandemie werden nun eindeutig stärker spürbar und die Studierenden suchen die PBS verstärkt auf. Ich bin froh, dass wir das Team verstärken und neue Psycholog*innen einstellen konnten. Gemeinsam arbeitet das Team, neben den gewohnten Einzel-, Krisen- und Gruppenberatungen an der Einführung niedrigschwelliger, präventiver Formate in Form von Workshops, z.B. zu den Themen Achtsamkeit, Stressbewältigung, Selbstorganisation.

Bild ist rein dekorativ

Frank Thinnes, 
Abteilungsleitung Studentisches Leben

Foto: Felix Noak / stW BERLIN