Foto: Felix Noak / stW BERLIN
Menschen sitzen im Workshopraum

Geschäftsbericht 2024

Erfüllung des Rahmenfinanzierungsvertrags mit dem Land Berlin

Sicherung der sozialen Infrastruktur für die Studierenden

Die Hauptaufgabe des studierendenWERKs ist es, durch verschiedene soziale Dienstleistungen die Rahmenbedingungen für ein Studium in Berlin so zu gestalten, dass Studierende erfolgreich studieren können. Dazu ist eine kontinuierliche qualitative Anpassung der Angebote an die sich verändernden Bedürfnisse der Studierenden unerlässlich.

Die Gesamtzahl der Studierenden in Berlin ist leicht gestiegen (200.527 Studierende im Vergleich zu 2023: 197.074 Studierende). Dies korrespondiert mit der ebenfalls gestiegenen Zahl der vom studierendenWERK BERLIN betreuten Studierenden: 2024 fielen 179.270 Studierende von 20 Hochschulen und der Charité in die Zuständigkeit des studierendenWERKs und lag damit über dem Vorjahresniveau (2023: 177.409 Studierende). Tatsächlich den Sozialbeitrag gezahlt haben 169.401 Studierende (2023: 169.467), der Rest der Studierenden war aus verschiedenen Gründen von der Zahlung des Sozialbeitrags befreit. 

Besonders der letzte Teil des Jahres war geprägt von den Auswirkungen der Kürzungen im Berliner Landeshaushaltes. Trotz intensiver Kommunikationsarbeit konnte die Kürzungen von 6,55 Mio im Landeszuschuss ab 2025 nicht abgewendet werden. Das studierendenWERK musste entsprechende Maßnahmen ergreifen und hat zu Jahresende drei Mensen geschlossen. Zudem wurde der Sozialbeitrag ab dem Sommersemester 2025 um 23 Euro erhöht. Ein Rahmenvertrag ab 2025 konnte leider nicht abgeschlossen werden.

Dateien
pdf: Bilanz 2024 als Download (nicht barrierefrei) (PDF | 65.80 KB)
pdf: Gewinn- und Verlustrechnung 2024 als Download (nicht barrierefrei) (PDF | 84.82 KB)
Geschäftsführerin Petra Mai-Hartung
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Petra Mai-Hartung
Geschäftsführerin des studierendenWERKs BERLIN

Verpflegungsangebote 

Das studierendenWERK BERLIN betrieb zum Stand 31.12.2024 47 Mensen und Coffeebars in Berlin. Der Umsatz der Mensen und Coffeebars stieg erneut, auf 16,7 Mio im Jahr 2024 gegenüber 15,7 Mio Euro im Jahr 2023. Dies entspricht 82,7 Prozent des Umsatzes aus dem Jahr 2019 (20,2 Mio Euro), dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie. Wir beobachten einen kontinuierlichen Anstieg der Gästezählen, gehen aber nicht mehr davon aus, dass das prä-pandemische Umsatzniveau wieder erreicht werden kann. 

2024 verfügten die Speisebetriebe über 11.968 Tischplätze, 2.149 davon waren Außensitzplätze. Eine Flotte von drei Foodtrucks versorgte die Studierenden in den Wohnheimen und auf den Campus und war auch an Wochenenden unterwegs.

Wohnheimbestand 

Das studierendenWERK BERLIN verfügte Ende 2024 über 9.119 Wohnplätze in seinem Bestand. Die Versorgungsquote ist weiterhin schlecht. Sie fiel 2014 erstmals unter die 6-Prozent-Marke und blieb auch 2024 darunter (5,1 Prozent). Die Studierenden an den Hochschulen im Südwesten Berlins, insbesondere an der Freien Universität Berlin, waren mit 2,4 Prozent weiterhin am stärksten unterversorgt.

Das Sanierungsprogramm zur Erhaltung des Wohnheimbestandes wurde 2024 fortgesetzt. Mit einem Volumen von rund 11,7 Millionen Euro wurden 11 größere Baumaßnahmen durchgeführt.

Das 2018 in Betrieb genommene InfoCenter Wohnen wurde 2024 noch stärker frequentiert und führte insgesamt 43.084 Beratungen durch, davon 28.492 schriftliche, 6.497 telefonische und 8.095 persönliche Beratungen.

Tutor*innenprogramme

22 Wohnheimtutor*innen haben das studierendenWERK BERLIN 2024 als studentische Aushilfen unterstützt.

Studierende in der BAföG-Beratung
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

BAföG

2024 befanden sich insgesamt 192.537 Studierende in förderungsfähigen Studiengängen (2023: 188.813). Insgesamt 34.991 BAföG-Anträge wurden 2024 bearbeitet (2023: 33.972), 24.329 Anträge wurden bewilligt (2023: 26.110). Die Anzahl der Erstanträge ging 2024 mit 10.027 zurück (ggü. 10.938 in 2023), insgesamt 1.339 Anträge auf die neue Studienstarthilfe des Bundes wurden bearbeitet. 189,2 Mio Euro BAföG wurden ausgezahlt (2023: 211,4 Mio). Die durchschnittliche monatliche Förderung betrug 804 Euro (2023: 786 Euro).

2024 wurde mit der BAföG-Sprechstunde begonnen. Eine erfahrene Kollegin berät an vier von fünf Wochentagen in einer offenen Sprechstunde zum BAföG-Antrag, meist online, einmal pro Woche vor Ort. Diese Sprechstunden werden sehr gut angenommen und tragen wesentlich zu einem besseren Verständnis des Antragsprozesses bei. 

Psychologisch-Psychotherapeutische Beratung

Mit einem umfassenden Beratungsangebot unterstützen die Psycholog*innen des studierendenWERKs die persönliche Entwicklung von Studierenden und ihren Studienerfolg. Die Beratung findet an zwei Standorten statt, in der Hardenbergstraße und am Franz-Mehring-Platz. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 1.996 Studierende beraten (2023: 1.865), davon waren 1.736 Erstberatungen und 71 Krisenberatungen. Insgesamt 11.283 Beratungsstunden wurden durchgeführt (2023: 9.415). 

Beraterin hört Studierender zu
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Soziale Beratung bei finanziellen, sozialen oder sozialrechtlichen Problemen

Die Sozialberaterinnen des studierendenWERK BERLIN boten auch im Jahr 2024 Studierenden in schwierigen sozialen Situationen Informationen und Unterstützung an. Schwerpunkte waren die Beratung zur Studienfinanzierung sowie die Beratung von Schwangeren, Studierenden mit Kindern und internationalen Studierenden.

Insgesamt wurden 4.020 Beratungen durchgeführt (2023: 3.846). 79 Prozent der Beratungen drehten sich um das Thema "Studienfinanzierung", 14 Prozent um das Thema "Studieren mit Kind", der Rest der Beratungen drehte sich um Sonstiges. 

Soziale Unterstützung in Notlagen

Im Sommersemester standen 50 Zuschüsse zur Verfügung (je 25 für Studienstart und -abschluss). Zwischen dem 21.05. und der Schließung des Portals am 06.06. gingen 106 vollständige Anträge für den Studienstart und 367 für den Studienabschluss ein; entschieden wurde chronologisch im 4-Augen-Prinzip, flankiert von einer zusätzlichen Zuschuss-Sprechstunde. Mit Einführung der bundesweiten BAföG-Studienstarthilfe (1.000 €) entfiel ab dem Wintersemester ein zusätzlicher Start-Zuschuss. Insgesamt wurden 2024 100 Studierende mit je 1.000 Euro einmaligem Zuschuss unterstützt. 

Zum Wintersemester wurden Verfahren und Kriterien weiterentwickelt: Der Bewerbungsstart ist nun fest auf den 01.11. bzw. 01.05. (oder den folgenden Werk-Montag) gelegt; Schulden gelten nicht mehr als Ausschlusskriterium; ebenso wurde die Benachteiligung über Regelstudienzeit hinaus aufgehoben. Das Portal war vom 11.11. bis 15.11. geöffnet, knapp 500 Anträge gingen  ein und wurden bearbeitet. Die zur Verfügung stehenden 50 Zuschüsse wuden vergeben. 

Berater erläutert etwas
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Beratung von Studierenden mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung

An drei Standorten wurden 2024 Beratungen zum Thema Studium und Behinderung bzw. chronische Erkrankung angeboten, darüber hinaus vergab das studierendenWERK Inklusionsleistungen (früher: Integrationshilfen) nach § 9 Abs. 2 BerlHG.

Ziel ist es, Studierenden trotz ihrer Beeinträchtigungen ein chancengleiches Hochschulstudium zu ermöglichen und Diskriminierungen entgegenzuwirken. Im Jahr 2024 haben die Beratungsstellen 3.240 Beratungen durchgeführt und damit etwas weniger als im Vorjahr (2023: 3.380). Insgesamt 14 Gruppenveranstaltungen zu verschiedensten Themen, darunter "Übergang in den Beruf" und "Studieren mit ADHS" wurden 2024 durchgeführt (2023: 9). 

Im Jahr 2024 wurden 283 Anträge auf Inklusionsleistungen bearbeitet und 1,32 Millionen Euro für Inklusionsleistungen ausgezahlt (2023: 223 Anträge und 1,13 Millionen Euro). Der weitaus größte Anteil hierfür war für die Finanzierung von Dolmetschenden (72%), gefolgt von Studienhilfen (26%), Büchergeld (1,2%) und technische Hilfen (1,1%). 

Es erhielten 206 Studierende Inklusionsleistungen (2023: 189), darunter 21 Studierende mit einer Körperbehinderung, 20 Studierende mit einer Sehbehinderung, 46 Studierende mit einer Hörbehinderung (davon 27 Gehörlose), 97 chronisch kranke Studierende und 12 Studierende mit multiplen Diagnosen. 

Erzieherin stößt eine Nestschaukel an, in der zwei Kinder sitzen.
Foto: Jan Eric Euler / DSW

Hochschulnahe Kinderbetreuung

Das studierendenWERK betreibt sieben Kindertagesstätten. Im Jahr 2024 standen 635 vom Land finanzierte Plätze zur Verfügung. Durchschnittlich waren 96,4 Prozent der Plätze belegt. 30 Prozent der Kinder waren nicht deutscher Herkunftssprache, die Kinder stammten aus insgesamt 49 verschiedenen Ländern. 

Drei Studierende. Eine Studentin zeigt einem Studenten mit Fahrrad den Weg.
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Mehrsprachige Angebote  

Die besondere Attraktivität der Berliner Hochschullandschaft für internationale Studierende ist ungebrochen. Nach wie vor hat fast jeder vierte Studierende an Berliner Hochschulen einen internationalen Hintergrund. Der Anteil der Bildungsausländer*innen unter den Berliner Studierenden lag 2024 bei 24,6 Prozent (2023: 23,7 Prozent).

Das studierendenWERK betreibt seine Website zweisprachig und setzt auch im Bereich der Social-Media-Kommunikation auf Mehrsprachigkeit. Darüber hinaus werden viele Veranstaltungen, z.B. Workshops und Trainings sowie Kennenlernveranstaltungen im Bereich Kultur & Internationales, in englischer Sprache angeboten.

Hausmitteilungen in den Wohnheimen erfolgen in der Regel zweisprachig. Bei der Einstellung von Mitarbeitern im Kundencenter wird auf Mehrsprachigkeit geachtet: Alle Mitarbeiter sprechen mindestens zusätzlich Englisch, einige auch weitere Sprachen, darunter Spanisch und Türkisch. 

Studi macht eine Handyaufnahme von einer Studierenden macht. Sie ist als Reporterin inszeniert.
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Kommunikation des Angebotes 

Die Website des studierendenWERKs zählte 2024 rund 5,9 Mio. Besuche ggü. 5,6 Mio. Besuche in 2023. Der Aufwuchs korrespondiert mit den gestiegenen Gästezahlen in der Mensa, da die meisten Seitenaufrufe die täglichen Speisepläne betreffen.

Insgesamt 13.625 Studierende haben sich an den InfoPoint gewandt (2023: 11.991). Das Telefonaufkommen belief sich auf rund 12.469 Anrufe (2023:13.024), 9.109 Emailanfragen wurden durch das Kundencenter bearbeitet (2023: rund 9.072).

Die Plattform Twitter haben wir im Juli 2024 verlassen und bespielen seitdem vrestärkt Threads, Blue Sky und Mastodon als Alternativ-Plattformen. Seit 2023 betreibt das studierendenWERK einen Tiktok-Kanal, der 2024 rund 627.000 Videoaufrufe erzielte (2023 237.000). Die Reichweiten bei Instagram stagnierten 2024 auf dem Niveau von 2023 (rund 260.000 erreichte Konten). Zu erwarten ist ein weiterer Bedeutungsverlust dieses Kanals, da die Zielgruppe sich zunehmend anderen Medien zuwendet. Das studierendenWERK testete 2024 einen eigenen WhatsApp-Kanal und wird diesen auch 2025 weiter führen. Der Youtube-Channel erreichte 2024 166.000 Views.

Im Arbeitgebermarketing wurde zudem ein weiterer Instagram-Kanal eingeführt und auch die Pflege des LinkedIn-Kanals sowie des Mitarbeiter-Youtubekanals wurde intensiviert. Für 2025 ist zudem die Einführung einer Mitarbeiter-App geplant. 

Person, die mit einem Headset telefoniert. Anzunehmen ist, dass er gerade eine Beschwerde aufnimmt.
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Entwicklung des externen und internen Qualitätsmanagements

Zur Verbesserung der Prozessqualität werden kontinuierlich die wesentlichen Prozesse des studierendenWERKs erfasst und IT-gestützt dokumentiert.

Studierende beschwerten sich sowohl schriftlich, mündlich, telefonisch und per E-Mail sowie online und zunehmend auch über Social Media beim studierendenWERK. Je nach Dienstleistungsangebot machen die Studierenden sehr unterschiedlich vom Beschwerderecht Gebrauch. Alle Beschwerden wurden erfasst, zeitnah beantwortet und ausgewertet. Die Anzahl der Widersprüche gegen BAföG-Bescheide lag mit 965 deutlich über denen des Vorjahres (2023: 877).

Wohnheimtutorin, wie sie einem Studierenden eine Broschüre überreicht
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Förderung der studentischen Mitwirkung und Selbstorganisation

2024 setzten sich 24 studentische Selbstverwaltungen für die Interessen der Studierenden ein (2023: 21) und bereicherten das Leben in den Wohnheimen. Die finanzielle Förderung der laufenden Arbeit wurde fortgesetzt, ein Großteil der Selbstverwaltungen erhielt sachbezogene Zuschüsse. Auch die Wohnheimtutor*innen gestalteten das kulturelle Leben mit.

Die Ausrichtung aller Angebote orientiert sich streng an den Wünschen der Studierenden. Eine Vielzahl der Angebote und deren Kommunikation wird unter Beteiligung der Studierenden umgesetzt, so zum Beispiel im Kulturbereich, in der Unternehmenskommunikation und im Schreibzentrum.

Auch 2024 wurden Studierende als studentische Aushilfen im studierendenWERK eingesetzt und auf die jeweiligen Tätigkeiten vorbereitet. 102 Studierende hat das studierendenWERK BERLIN zum Stichtag 31.12.2023 beschäftigt (2023: 91).

Meetingsituation, bei der ein Mann vor einem Smartboard steht und etwas erklärt.
Foto: Felix Noak / stW BERLIN

Förderung der Gesundheit und Motivation der Beschäftigten

Der Krankenstand ist 2024 im Vergleich zum Vorjahreswert leicht gefallen, von 11,6 Prozent auf 11,5 Prozent. Im Zentrum des betrieblichen Gesundheitsmanagements stand weiterhin die Umsetzung verschiedener Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Auch 2024 wurde die tariflich vereinbarte leistungsorientierte Vergütung auf Basis einer Dienstvereinbarung ausgezahlt.

Die Fort- und Weiterbildungsquote ist 2024 gesunken auf 38,1 Prozent (2023: 53,5 Prozent).