Psychisch gesund durch die Coronakrise

Wie könnt ihr mit den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen oder einer eventuellen Quarantäne besser zurecht kommen?


Wie komme ich gut durch diese Zeit?

Die Coronakrise hat das Leben für die Studierenden verändert. Klausuren, Prüfungen, Staatsexamen und Seminare wurden abgesagt, was kurzfristig evtl. Druck nimmt, aber die weitere Planung durcheinanderbringt. Reisen und vieles andere waren in den Ferien plötzlich nicht mehr möglich. Kommilitonen*innen und Kontakte nicht mehr so einfach zu treffen. Einsamkeit wurde dadurch präsent. Manche Studierenden sind zu den Eltern und in ihre alte vertraute Umgebung zurückgezogen, manchen war dies gar nicht mehr möglich. Praktikas wurden abgesagt, der Job möglicherweise verloren. Für viele ist dadurch auch die finanzielle Situation ein großes Thema. Manche Studierende müssen wegen einer Coronainfektion in Quarantäne und erleben Ängste und Einsamkeit. Andere haben Befürchtungen zu erkranken. Die Entschleunigung hat aber für manche Studierende auch positive Seiten. Und für alle stellt sich die Frage, wie man zumindest einigermaßen gut durch diese Wochen kommen kann. Was ist hilfreich, was kann unterstützen?

  • Die Aufrechterhaltung der Tagesstruktur: Aufwach- und Einschlafzeiten, Mahlzeiten, Verteilung von Aufgaben. Den Tag strukturieren. Den nächsten Tag vorplanen mit einer klaren machbaren Aufgabe. Daran denken: was und wie ist was mit den veränderten Bedingungen überhaupt möglich. Mit kleinen Schritten auf das nächste Semester vorbereiten, z.B. kleine Artikel, Texte, Infos zu den anstehenden Seminaren lesen. Langsam wieder innerlich auf das Studium vorbereiten und de facto hineinkommen.

  • Sehr wichtig: regelmäßige (mögl. tägliche) Kontaktpflege trotz „social distancing“ über E-Mail, Telefon, Messenger, Skype o.ä. im Wohnheim vielleicht auch mit genügend Abstand zu Mitbewohner*innen. Konflikte mit abwesenden Personen: Prüfen, ob diese aktuell ausgetragen werden müssen. Wenn ja: nicht per Messenger/E-Mail, besser per Telefon, noch besser per Skype o.ä.

  • Bewegung, Sport im Freien wenn möglich: Spaziergänge, Joggen oder Radfahren, auch in der Wohnung den Körper nicht vergessen: Entspannsphasen einlegen (Techniken gibt es online, z.B. PMR, Autogenes Training, Bodyscan).

  • Positive Dinge machen - Musik hören, ein Buch lesen, ein Bild malen, eine Blume pflanzen oder oder oder…

  • Wirtschaftliche und gesundheitliche Sorgen: Klären statt vermeiden und Unterstützung suchen.

  • Neuigkeiten zum Thema Corona über seriöse Medien lesen, aber die Beschäftigung auf ein bis zwei Mal pro Tag beschränken. Push-Nachrichten ausschalten - Vermeiden von Nachrichten, die nicht unmittelbar der eigenen Information dienen, eher Radio oder Geschriebenes als Fotos oder bewegte Bilder (z.B. NDR Podcast von Herrn Drosten o.ä.). Vermeidung von katastrophisierenden Gedanken, Umgang mit vorhandenen Informationen statt düsterer Zukunftsszenarien. Aber auch die Überkompensation von Angst durch Ignorieren von Fakten („das betrifft mich nicht – die übertreiben alle“) ist dysfunktional im Umgang mit der Situation.

  • Akzeptanz negativer Gefühle: Ängste und Bedrücktheit erleben aktuell viele Personen, dies ist situationsbedingt. Durch die Reduktion von Reizen und (positiven) Erlebnissen kann es zu depressionsähnlichen Symptomen kommen. Wenn es möglich ist, über die Gefühle mit wohlwollenden Menschen austauschen, erzählen oder auch eine Viertelstunde die Gedanken aufschreiben und das Blatt dann aus dem Blickfeld nehmen.

  • Grübelstopp bei vermehrtem Grübeln: Grübeln bewusst wahrnehmen und unterbrechen „Stop! Ich will das nicht denken, das tut mir nicht gut“. Ablenken z.B. durch Achtsamkeitsübung: Was sehe ich, was höre ich, was rieche ich, was spüre ich (was schmecke ich). Wenn Nachdenken über das Grübelthema nötig scheint: eine kurze feste Zeit am Tag setzen, ca. 30 min. (z.B. 16-16.30h, nicht kurz vor dem Schlafen), in dieser konzentriert und mit Schreibmaterial hinsetzen und strukturiert überlegen. Bei Grübelproblemen vor dem Einschlafen: Hörbücher hören oder Phantasiereisen nutzen.

Wenn die Angstzustände, das Grübeln oder die depressiven Verstimmungen zu groß werden oder zu Panik führen: Hilfe suchen, z.B. in der psychologisch-psychotherapeutischen Beratungsstelle des StudierendenWERKs.