WG-Konflikte in Zeiten von Lockdown und Social Distancing

Ist das Leben in Wohngemeinschaften schon bei normalem Unibetrieb manchmal anstrengend, verändert der Lockdown und Social Distancing das Studi- und Zusammenleben in einer WG noch mehr.

Viele Mitbewohner*innen, wenn sie nicht in der Heimat zurück sind, halten sich mehr in der WG auf. Die Bachelorarbeit kann nicht mehr in der Bibliothek geschrieben werden. Vorlesungen finden vor dem heimischen Computer und nicht mehr in der Uni statt. Und auch der Tutorenjob wird im Homeoffice erledigt. Die Anwesenheit der Mitbewohner*innen, die chillen wollen, weil sie gerade viel weniger zu tun haben oder mit lauter Musik einen digitalen Fitnesskurs absolvieren, stören dabei. Die Aktivitätstipps aus dem Internet, wie zu Hause bei lauter Musik tanzen, möchte man in der Telefonkonferenz mit dem Professor nicht haben.

Verschiedene Freunde*innen treffen ist nicht mehr möglich. Die ersten Spiele- oder Netflixabende mit den Mitbewohnern*innen sind noch ganz nett, aber mit der Zeit geht man sich auch auf die Nerven oder die Gesprächsthemen wiederholen sich. Und auch die ständige Anwesenheit des*der Partners*in der Mitbewohner*innen bringen eine neue Dynamik in die WG. Ist Sauberkeit/Putzen so schon häufig ein Konfliktthema in einer WG, führt die größere Anwesenheit aller noch zu mehr Schmutz. Auch die neuen Hygienebestimmungen zum Umgang mit Corona können Auslöser für Störungen im WG-Leben sein.

Mit anderen Worten: Es gibt neue Möglichkeiten für Konflikte und man kann sich nicht mehr so einfach aus dem Weg gehen.

Was tun, wenn es Konflikte gibt?

Voraussetzung zur Konfliktlösung ist immer, dass alle Beteiligten bereit sind, eine Lösung zu finden.

Das Zusammenleben unter den neuen Lebensumständen muss neu organisiert werden. Manchmal gelingt dies ganz einfach ohne Absprachen. Wenn aber die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind, muss miteinander gesprochen werden.

Miteinander sprechen bedeutet, dass jede*r seine Bedürfnisse formuliert, also spricht. Genauso wichtig ist auch das Zuhören, was der*die andere sagt. In emotional angespannten Situationen gelingt das Zuhören sehr viel schlechter. Deswegen sprecht miteinander, wenn der Groll auf die anderen noch nicht zu hochgekocht ist oder wenn er schon wieder etwas runtergekocht ist.

Geht zuversichtlich in ein gemeinsames Gespräch und sprecht mit allen Mitbewohnern*innen. Vermeidet in großen WGs eine starke Gruppenbildung. Formuliert, wie es euch geht und was ihr wünscht, nicht nur was die anderen falsch machen.

Plant Zeiten, wo es lauter sein kann, aber auch Zeiten, in denen es ruhiger ist. Besprecht die Putz- und Sauberkeitswünsche und Hygienevorstellungen. Schaut in größeren WGs, ob euer Plan noch funktioniert. Findet auch Lösungen für unterschiedliche Hygienevorstellungen. Man kann auch ab und an nonverbal kommunizieren, so dass die anderen mitbekommen, dass man gerade arbeitet, zum Bespiel mit dem typischen Zettel „Bitte nicht stören“ an der Tür.

Nehmt nicht nur wahr, wie die anderen Mitbewohner*innen stören oder nerven, sondern auch wie deine eigene veränderte Lebenssituation auf die anderen wirkt.  Versuche, die Rückmeldungen der Mitbewohner*innen an dich zu verstehen. Aber nimm auch deine Grenzen an Toleranz wahr, damit in dir nicht Hass auf die anderen entsteht.

Wenn dir alles über den Kopf wächst oder es innerhalb der WG keine Lösung zu geben scheint, ist auch externe Unterstützung eine Option, zum Beispiel bei der Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratungsstelle des StudierendenWERKs.